Zertifizierung/Audit

Was bedeutet Akkreditierung? DAkkS, IAF und das System dahinter

Was bedeutet Akkreditierung? DAkkS, IAF und das System dahinter
Kurz beantwortet

Akkreditierung ist die formelle Bestätigung durch eine staatlich benannte Stelle, dass eine Prüf-, Inspektions- oder Zertifizierungsstelle fachlich kompetent und unabhängig arbeitet. In Deutschland vergibt die DAkkS Akkreditierungen auf Basis internationaler Normen wie ISO/IEC 17021-1. Über die Dachorganisationen IAF und ILAC werden akkreditierte Nachweise international gegenseitig anerkannt.

Wer prüft eigentlich die Prüfer? Diese Frage beantwortet das Akkreditierungssystem. Ein ISO-Zertifikat ist nur so glaubwürdig wie die Stelle, die es ausstellt — und damit deren Kompetenz nicht bloß behauptet wird, gibt es eine übergeordnete Kontrollinstanz: die nationale Akkreditierungsstelle. In Deutschland ist das die DAkkS, eingebettet in ein weltweites Netz aus Normen und gegenseitigen Anerkennungsabkommen.

Dieser Artikel erklärt sachlich, wie das System funktioniert: was Akkreditierung von Zertifizierung unterscheidet, welche Rolle DAkkS, ISO/IEC 17021-1, IAF und ILAC spielen, wann Sie zwingend eine akkreditierte Zertifizierungsstelle brauchen — und wann nicht. Zur Transparenz gehört dabei auch die Einordnung in eigener Sache: KCERT zertifiziert im nicht akkreditierten Bereich und legt offen, was das bedeutet.

Akkreditierung und Zertifizierung: zwei Ebenen, oft verwechselt

Die beiden Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, bezeichnen aber unterschiedliche Ebenen einer Vertrauenskette:

  • Zertifizierung: Eine Zertifizierungsstelle bestätigt einem Unternehmen, dass sein Managementsystem eine Norm erfüllt — etwa ISO 9001. Das Ergebnis ist das Zertifikat.
  • Akkreditierung: Eine staatlich benannte Akkreditierungsstelle bestätigt der Zertifizierungsstelle, dass diese kompetent, unparteilich und regelkonform arbeitet. Das Ergebnis ist die Akkreditierungsurkunde mit definiertem Geltungsbereich.

Die Kette hat also drei Glieder: Das Unternehmen wird von der Zertifizierungsstelle auditiert, die Zertifizierungsstelle von der Akkreditierungsstelle überwacht, und die Akkreditierungsstellen kontrollieren sich international gegenseitig durch sogenannte Peer Evaluations. Unternehmen selbst werden nicht akkreditiert, sondern zertifiziert — die Formulierung „wir sind DAkkS-akkreditiert“ auf einer Firmenwebsite außerhalb der Prüf- und Zertifizierungsbranche ist fast immer falsch.

Am Rande: Der Begriff Akkreditierung existiert auch in anderen Feldern — Journalisten werden für Veranstaltungen akkreditiert, Studiengänge durch Akkreditierungsagenturen. Dieser Artikel behandelt die Akkreditierung in der Konformitätsbewertung, also bei Prüf-, Kalibrier-, Inspektions- und Zertifizierungsstellen.

Die DAkkS: Deutschlands nationale Akkreditierungsstelle

Grundlage des heutigen Systems ist die EU-Verordnung (EG) Nr. 765/2008: Jeder Mitgliedstaat benennt genau eine nationale Akkreditierungsstelle, die hoheitlich und nicht gewinnorientiert arbeitet. In Deutschland ist das seit 2010 die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) mit Sitz in Berlin — beliehen mit dieser Aufgabe auf Basis des Akkreditierungsstellengesetzes (AkkStelleG). Gesellschafter sind zu je einem Drittel der Bund, die Länder und die durch den BDI vertretene Wirtschaft.

Wie läuft eine Akkreditierung ab? Eine Zertifizierungsstelle, die etwa ISO-9001-Zertifikate mit DAkkS-Symbol ausstellen will, durchläuft ein aufwendiges Begutachtungsverfahren:

  • Dokumentenprüfung und Begutachtung vor Ort: Fachbegutachter der DAkkS prüfen Managementsystem, Verfahren, Unparteilichkeitsregelungen und die Kompetenz der Auditoren.
  • Witness-Audits: DAkkS-Begutachter begleiten Auditoren der Zertifizierungsstelle bei echten Kundenaudits und bewerten deren Arbeit direkt in der Praxis.
  • Laufende Überwachung: Die Akkreditierung gilt in der Regel fünf Jahre und wird in diesem Zeitraum durch regelmäßige Überwachungsbegutachtungen kontrolliert; danach folgt die Reakkreditierung.

Der Geltungsbereich ist dabei präzise definiert: Eine Stelle kann für ISO 9001 akkreditiert sein, für ISO 27001 aber nicht — und auch nur für bestimmte Branchen. Ein Blick in die Akkreditierungsurkunde lohnt sich deshalb auch bei namhaften Anbietern.

Die Normen dahinter: von ISO/IEC 17021-1 bis 17011

Das System stützt sich auf eine Familie internationaler Normen, die festlegen, wie Konformitätsbewertungsstellen arbeiten müssen:

NormRegelt Anforderungen anPraxisbeispiel
ISO/IEC 17021-1Stellen, die Managementsysteme zertifizierenZertifizierungsstelle für ISO 9001, 14001, 45001, 27001, 50001
ISO/IEC 17065Stellen, die Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zertifizierenProduktzertifizierung, viele Bau- und Lebensmittelstandards
ISO/IEC 17024Stellen, die Personen zertifizierenPersonenzertifikate, etwa für Schweißer oder Auditoren
ISO/IEC 17025Prüf- und KalibrierlaboratorienAkkreditiertes Prüflabor, Kalibrierlabor für Messmittel
ISO/IEC 17020InspektionsstellenTechnische Überwachung, Anlageninspektion
ISO/IEC 17011Die Akkreditierungsstellen selbstMaßstab, an dem die DAkkS gemessen wird

Für ISO-Managementsystem-Zertifikate ist ISO/IEC 17021-1 die zentrale Norm. Sie verlangt unter anderem: strikte Trennung von Beratung und Zertifizierung, nachgewiesene Kompetenz der Auditoren je Branche, geregelte Verfahren für Abweichungen, Beschwerden und Einsprüche sowie feste Vorgaben zur Berechnung der Auditdauer. Ergänzt wird sie durch verbindliche Dokumente des IAF (etwa IAF MD 5 zur Audit-Zeitberechnung), die akkreditierte Stellen einhalten müssen.

IAF und ILAC: das internationale Anerkennungsnetz

Ein DAkkS-akkreditiertes Zertifikat wird auch in Japan, Brasilien oder den USA anerkannt — dafür sorgen zwei Dachorganisationen:

  • Das IAF (International Accreditation Forum) verbindet die nationalen Akkreditierungsstellen für die Bereiche Managementsysteme, Produkte und Personen.
  • Die ILAC (International Laboratory Accreditation Cooperation) übernimmt dieselbe Rolle für Labore und Inspektionsstellen.

Kern beider Organisationen sind multilaterale Anerkennungsabkommen (IAF MLA beziehungsweise ILAC MRA): Die Mitglieder begutachten sich gegenseitig in Peer Evaluations und erkennen daraufhin die Akkreditierungen der anderen als gleichwertig an. Auf europäischer Ebene organisiert die EA (European co-operation for Accreditation) diese gegenseitige Begutachtung. Das erklärte Ziel lautet sinngemäß: einmal geprüft, überall akzeptiert — ein Unternehmen mit einem akkreditierten ISO-9001-Zertifikat aus Deutschland muss sich für einen Kunden in Übersee nicht erneut zertifizieren lassen.

Praktischer Nebeneffekt für Einkäufer und Auftraggeber: Mit der Datenbank IAF CertSearch lässt sich weltweit prüfen, ob ein vorgelegtes Zertifikat von einer akkreditierten Stelle stammt und gültig ist. Für Deutschland führt die DAkkS zusätzlich ein öffentliches Verzeichnis aller von ihr akkreditierten Stellen samt Geltungsbereichen.

Akkreditiert oder nicht akkreditiert: der Unterschied in der Praxis

Zertifizieren darf grundsätzlich jeder — der Begriff ist nicht geschützt. Der Unterschied liegt in der überwachten Kompetenz und der Anerkennung des Ergebnisses:

KriteriumAkkreditierte ZertifizierungNicht akkreditierte Zertifizierung
Überwachung der StelleLaufend durch die DAkkS (Begutachtungen, Witness-Audits)Keine externe Aufsicht; Qualität hängt von der Stelle selbst ab
Internationale AnerkennungÜber IAF MLA weltweitAbhängig von der Akzeptanz des jeweiligen Empfängers
Öffentliche AusschreibungenWird regelmäßig ausdrücklich gefordertWird häufig nicht anerkannt
Regulierte Nachweise (z. B. IATF 16949, TISAX, EnEfG-Nachweise, KRITIS)Nur über akkreditierte bzw. förmlich anerkannte VerfahrenNicht ausreichend
Typischer EinsatzKonzern-Lieferketten, Behörden, regulierte BranchenFreiwilliger Nachweis gegenüber Kunden ohne formale Vorgabe
Kosten und AufwandHöher (Akkreditierungskosten und Vorgaben fließen in die Preise ein)Meist günstiger und schneller

Die ehrliche Entscheidungsregel: Maßgeblich ist, wer den Nachweis sehen will. Verlangt ein Auftraggeber, eine Vergabestelle oder eine Rechtsvorschrift ein akkreditiertes Zertifikat, gibt es keine Abkürzung — dann führt der Weg ausschließlich über eine DAkkS-akkreditierte (oder im Ausland gleichwertig akkreditierte) Stelle. Geht es dagegen um einen freiwilligen, glaubwürdig auditierten Qualitätsnachweis ohne formale Vorgabe, kann eine transparente nicht akkreditierte Zertifizierung eine legitime, wirtschaftliche Alternative sein. Fragen Sie im Zweifel Ihre wichtigsten Kunden, bevor Sie sich festlegen.

So prüfen Sie eine Zertifizierungsstelle und ein Zertifikat

Ob als Einkäufer, der ein Lieferantenzertifikat bewertet, oder als Unternehmen auf der Suche nach einer Zertifizierungsstelle — die Prüfung dauert nur Minuten:

  1. DAkkS-Datenbank durchsuchen: Das öffentliche Verzeichnis der DAkkS listet jede akkreditierte Stelle mit Registrierungsnummer und exaktem Geltungsbereich. Prüfen Sie, ob die fragliche Norm und Branche abgedeckt sind.
  2. Zertifikat ansehen: Akkreditierte Zertifikate tragen das Symbol der Akkreditierungsstelle mit Registrierungsnummer (in Deutschland das DAkkS-Symbol). Fehlt es, handelt es sich um ein nicht akkreditiertes Zertifikat — was seriöse Anbieter auf dem Zertifikat auch offen kennzeichnen.
  3. Gültigkeit verifizieren: Über IAF CertSearch oder die Zertifikatsdatenbank der ausstellenden Stelle lässt sich prüfen, ob das Zertifikat existiert, gültig und nicht ausgesetzt ist.
  4. Auf Warnsignale achten: Misstrauen ist angebracht bei Zertifikaten ohne Angabe der ausstellenden Stelle, bei „Zertifikaten“ ohne vorheriges Audit, bei Fantasie-Akkreditierungen unbekannter privater „Akkreditierer“ außerhalb des IAF-Systems und bei Anbietern, die Beratung und Zertifizierung aus einer Hand verkaufen — Letzteres verletzt das Unabhängigkeitsgebot.

Gerade der letzte Punkt trennt seriöse von unseriösen Anbietern, unabhängig von der Akkreditierungsfrage: Wer ein Managementsystem aufbaut, darf es nicht selbst zertifizieren.

Transparenz in eigener Sache: Wo KCERT in diesem System steht

KCERT zertifiziert ISO 9001, 14001, 45001, 27001 und 50001 im nicht akkreditierten Bereich — und kennzeichnet das offen: Jedes Zertifikat trägt den ausdrücklichen Hinweis, dass es außerhalb einer Akkreditierung ausgestellt wurde. Die Audits folgen der Systematik der ISO/IEC 17021-1 mit Stufe-1- und Stufe-2-Audit, jährlichen Überwachungsaudits und strikter Trennung von Beratung und Zertifizierung; die externe Aufsicht durch die DAkkS besteht jedoch nicht.

Daraus folgt eine klare, ehrliche Eignungsgrenze:

  • Nicht geeignet ist ein KCERT-Zertifikat, wenn Ausschreibungen, Konzern-Einkaufsrichtlinien, Branchenstandards oder Rechtsvorschriften ausdrücklich ein akkreditiertes Zertifikat verlangen. In diesen Fällen empfehlen wir ohne Umschweife den Weg zu einer DAkkS-akkreditierten Stelle.
  • Geeignet ist es für Unternehmen, die ein extern auditiertes Managementsystem als freiwilligen Qualitäts- und Vertrauensnachweis gegenüber Kunden aufbauen wollen — zu planbaren Festpreisen und mit schlankem Verfahren.

Diese Einordnung gehört zu jeder seriösen Beratung vor Vertragsschluss: Im kostenlosen Erstgespräch klärt KCERT zuerst, ob ein nicht akkreditiertes Zertifikat Ihren Zweck überhaupt erfüllt — und rät ab, wenn nicht. Ein Zertifikat, das sein Empfänger nicht anerkennt, ist für beide Seiten wertlos.

Häufige Fragen

Zertifizierung bestätigt einem Unternehmen die Konformität seines Managementsystems mit einer Norm, etwa ISO 9001. Akkreditierung bestätigt der Zertifizierungsstelle ihre Kompetenz und Unparteilichkeit — ausgesprochen durch die nationale Akkreditierungsstelle, in Deutschland die DAkkS. Unternehmen werden also zertifiziert, Zertifizierungsstellen akkreditiert. Beide Begriffe zu vermischen ist der häufigste Fehler in diesem Themenfeld.

Nein. Zertifizieren darf grundsätzlich jede Stelle, der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt. Verpflichtend wird Akkreditierung erst dort, wo Rechtsvorschriften, Branchenstandards oder Auftraggeber sie fordern — etwa bei IATF 16949, TISAX, vielen öffentlichen Ausschreibungen oder gesetzlichen Nachweispflichten. Außerhalb solcher Vorgaben sind nicht akkreditierte Zertifikate zulässig, sollten aber transparent als solche gekennzeichnet sein.

Mehrfach abgesichert: Die DAkkS arbeitet auf Grundlage der EU-Verordnung 765/2008 und des Akkreditierungsstellengesetzes unter staatlicher Aufsicht und muss selbst die Norm ISO/IEC 17011 erfüllen. Zusätzlich wird sie im europäischen Verbund EA regelmäßig durch Peer Evaluations anderer nationaler Akkreditierungsstellen begutachtet — nur so bleibt sie Mitglied der internationalen Anerkennungsabkommen von IAF und ILAC.

Am Symbol der Akkreditierungsstelle auf dem Zertifikat — in Deutschland das DAkkS-Symbol mit Registrierungsnummer der Zertifizierungsstelle. Zur Verifikation dienen das öffentliche DAkkS-Verzeichnis und die internationale Datenbank IAF CertSearch. Fehlt ein solches Symbol, wurde das Zertifikat außerhalb einer Akkreditierung ausgestellt; seriöse Anbieter kennzeichnen das zusätzlich mit einem klaren Hinweis auf dem Dokument.

Ja, in aller Regel. Über das multilaterale Anerkennungsabkommen des IAF (MLA) erkennen die angeschlossenen Akkreditierungsstellen weltweit die Ergebnisse der jeweils anderen als gleichwertig an. Ein in Deutschland ausgestelltes, DAkkS-akkreditiertes ISO-Zertifikat wird deshalb von Kunden und Behörden in den meisten Industrieländern akzeptiert, ohne dass eine erneute Zertifizierung nötig ist.

Nein, aber sein Wert hängt vom Empfänger ab. Wo akkreditierte Nachweise gefordert sind — Ausschreibungen, regulierte Branchen, viele Konzern-Lieferketten — wird es nicht anerkannt. Als freiwilliger Nachweis eines extern auditierten Managementsystems gegenüber Kunden ohne solche Vorgaben kann es seinen Zweck zu deutlich geringeren Kosten erfüllen. Voraussetzung: ein echtes Audit und transparente Kennzeichnung der fehlenden Akkreditierung.

In 4–6 Wochen zum Zertifikat – zum Festpreis.

Kostenloses Erstgespräch: Wir sagen Ihnen ehrlich, ob eine nicht akkreditierte Zertifizierung für Ihren Fall reicht – oder eben nicht.

Erstgespräch vereinbaren
Thomas Kowoll

Thomas KowollInhaber und Leitung Zertifizierung bei KCERT. Auditiert Managementsysteme nach ISO 9001, 14001, 45001, 27001 und 50001. Mehr über KCERT

Begriffe in diesem Artikel

Verwandte Beiträge