Turtle-Diagramm: Das Turtle-Diagramm ist ein Werkzeug zur Prozessbeschreibung, das einen Prozess anhand von sechs Leitfragen strukturiert: Womit (Input), Was (Output), Wer (Verantwortliche), Womit (Ressourcen), Wie (Methoden) und Womit gemessen (Kennzahlen).
Der Name stammt von der grafischen Darstellung: Ein Prozesskästchen bildet den „Panzer“ der Schildkröte, vier Kästchen an den Seiten stehen für die „Beine“ (Ressourcen, Methoden) sowie „Kopf“ und „Schwanz“ für Input und Output, ein weiteres Feld oben für die Kennzahlen. Diese Visualisierung macht auf einen Blick sichtbar, welche Elemente ein einzelner Prozess braucht und liefert.
Während die Prozesslandkarte das Zusammenspiel aller Prozesse eines Unternehmens auf oberster Ebene zeigt, geht das Turtle-Diagramm eine Ebene tiefer: Es beschreibt einen einzelnen Prozess im Detail anhand von sechs Fragen.
| Frage | Bedeutung |
|---|---|
| Womit? | Input (Material, Information, Vorprozess) |
| Was? | Output/Ergebnis des Prozesses |
| Wer? | Verantwortliche, Prozessbeteiligte |
| Womit? | Ressourcen, Maschinen, Infrastruktur |
| Wie? | Verfahren, Methoden, Arbeitsanweisungen |
| Womit gemessen? | Kennzahlen, Prüfkriterien |
Das Turtle-Diagramm eignet sich besonders für die Vorbereitung von Prozessaudits, da ein Auditor entlang genau dieser sechs Fragen prüfen kann, ob eine Prozessbeschreibung vollständig ist. In der Praxis wird es häufig als einseitiges Formular je Kernprozess geführt und bei Änderungen am Prozess aktualisiert.
Ein zusätzlicher Blick lohnt sich auf die Wechselwirkungen zwischen benachbarten Prozessen: Der Output eines Turtle-Diagramms sollte exakt dem Input des nachfolgenden Prozesses entsprechen. Weichen Schnittstellenbeschreibungen zwischen zwei Turtle-Diagrammen voneinander ab, deutet das häufig auf eine Lücke in der Prozesslandkarte oder auf unklare Verantwortlichkeiten an der Schnittstelle hin.
Relevanz für die Zertifizierung
Turtle-Diagramme sind kein normativ vorgeschriebenes Dokument, aber ein bewährtes Hilfsmittel, um die Anforderung aus ISO 9001:2015, Kapitel 4.4 nachzuweisen, wonach Unternehmen ihre Prozesse einschließlich Input, Output, Reihenfolge, Wechselwirkung, Ressourcen und Verantwortlichkeiten festlegen müssen. Auditoren nutzen häufig genau diese Struktur, um im Prozessaudit gezielt nachzufragen, etwa nach den hinterlegten Kennzahlen oder der Verantwortlichkeit. Fehlt eine schlüssige Verbindung zwischen den sechs Feldern, etwa weil die genannte Kennzahl gar nicht zum beschriebenen Prozessziel passt, gilt das häufig als Hinweis auf eine nur formal, aber nicht gelebt dokumentierte Prozesslandschaft.
Häufige Fragen zu Turtle-Diagramm
Nein. ISO 9001:2015 verlangt in Kapitel 4.4 lediglich, dass Prozesse mit Input, Output, Verantwortlichkeiten, Ressourcen und Kennzahlen beschrieben werden – die Methode dafür ist nicht festgelegt. Das Turtle-Diagramm ist eine von mehreren möglichen Darstellungsformen und im Audit als Nachweis anerkannt, aber kein Pflichtformat.
Die Prozesslandkarte zeigt auf oberster Ebene, wie alle Prozesse eines Unternehmens zusammenhängen. Das Turtle-Diagramm beschreibt dagegen einen einzelnen Prozess im Detail anhand von sechs Fragen zu Input, Output, Ressourcen, Methoden, Verantwortlichkeiten und Kennzahlen. Beide Werkzeuge ergänzen sich: Landkarte für die Übersicht, Turtle für die Tiefe.
Üblich ist es, Turtle-Diagramme für die Kernprozesse und wichtige Unterstützungsprozesse zu erstellen, etwa fünf bis fünfzehn je nach Unternehmensgröße. Für sehr kleine Hilfsprozesse ohne Auditrelevanz reicht häufig eine einfachere Prozessbeschreibung ohne vollständiges Turtle-Format.