ISO 9001/QM

Was ist Prozessorientierter Ansatz?

Definition

Prozessorientierter Ansatz: Der prozessorientierte Ansatz ist einer der acht Grundsätze des Qualitätsmanagements und fordert, Tätigkeiten nicht nach Abteilungsgrenzen, sondern als miteinander verknüpfte Prozesse mit definierten Eingaben, Ausgaben und Wechselwirkungen zu betrachten und zu lenken.

Statt Qualität isoliert innerhalb einzelner Fachabteilungen zu betrachten, verlangt der prozessorientierte Ansatz, das gesamte Unternehmen als Netz zusammenhängender Prozesse zu verstehen: Ein Prozess erhält Eingaben (Material, Information, Ressourcen), verarbeitet sie unter Einsatz von Methoden und Kompetenzen und liefert definierte Ausgaben, die wiederum Eingabe des nächsten Prozesses sind.

Klassischer AnsatzProzessorientierter Ansatz
Betrachtung nach AbteilungenBetrachtung nach Prozessketten über Abteilungen hinweg
Verantwortung endet an der AbteilungsgrenzeProzessverantwortung über die gesamte Wertschöpfungskette
Fehler werden lokal behobenSchnittstellen und Wechselwirkungen werden mitbetrachtet

ISO 9001 verankert diesen Grundsatz konkret in Kapitel 4.4, das verlangt, die für das Qualitätsmanagementsystem benötigten Prozesse samt Wechselwirkungen zu bestimmen, ihre Ein- und Ausgaben festzulegen sowie Verantwortlichkeiten, Ressourcen und Kennzahlen je Prozess zu definieren. Sichtbares Werkzeug dieses Ansatzes ist meist eine Prozesslandkarte, die Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse und ihre Zusammenhänge grafisch darstellt.

In der Praxis zeigt sich der prozessorientierte Ansatz vor allem an den Schnittstellen: Viele Qualitätsprobleme entstehen nicht innerhalb einer Abteilung, sondern an der Übergabe zwischen zwei Prozessen, etwa zwischen Vertrieb und Fertigung oder zwischen Einkauf und Wareneingang. Wer diese Übergaben explizit mit Verantwortlichkeiten und Kriterien belegt, statt sie stillschweigend vorauszusetzen, reduziert Reibungsverluste spürbar.

Eng verwandt mit dem prozessorientierten Ansatz ist das risikobasierte Denken, das ebenfalls in Kapitel 4.4 verankert ist: Für jeden Prozess sollen Risiken und Chancen mitgedacht werden, nicht nur der Regelablauf im Normalfall. Ein Unternehmen, das seine Prozesse konsequent aus Kundensicht end-to-end betrachtet, statt sie an Abteilungsgrenzen künstlich zu zerschneiden, erfüllt diesen Grundsatz meist bereits im Kern, auch ohne den Begriff selbst aktiv zu verwenden.

Relevanz für die Zertifizierung

Auditoren prüfen im Rahmen von Kapitel 4.4, ob ein Unternehmen seine Prozesse tatsächlich als zusammenhängendes System versteht, nicht nur formal eine Prozesslandkarte vorlegt. Typische Prüffragen betreffen definierte Ein- und Ausgaben je Prozess, benannte Prozessverantwortliche sowie Kennzahlen, mit denen die Prozessleistung tatsächlich gemessen wird. Ein Unternehmen, das Qualität weiterhin strikt nach Abteilungen statt nach Prozessketten organisiert, fällt im Audit häufig durch unklare Verantwortlichkeiten an Schnittstellen auf.

Häufige Fragen zu Prozessorientierter Ansatz

Ja. Kapitel 4.4 verlangt ausdrücklich, die benötigten Prozesse samt Wechselwirkungen zu bestimmen, Ein- und Ausgaben festzulegen sowie Verantwortlichkeiten und Kennzahlen je Prozess zu definieren. Eine rein abteilungsbezogene Organisation ohne erkennbare Prozesssicht gilt als unzureichende Umsetzung dieses Grundsatzes.

Der prozessorientierte Ansatz ist der grundlegende Denkansatz, Tätigkeiten als verknüpfte Prozesse statt isolierte Abteilungsfunktionen zu betrachten. Die Prozesslandkarte ist das konkrete grafische Werkzeug, mit dem Unternehmen diesen Ansatz sichtbar machen und dokumentieren, meist gegliedert in Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse.

Weil Verantwortlichkeiten oft innerhalb einzelner Abteilungen klar geregelt sind, an der Übergabe zwischen zwei Prozessen aber häufig Annahmen statt eindeutiger Kriterien gelten, etwa zwischen Einkauf und Wareneingang. Der prozessorientierte Ansatz verlangt deshalb explizit definierte Ein- und Ausgaben, um solche Lücken sichtbar zu machen.

Verwandte Begriffe

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