ISO 9001/QM

Was ist Messunsicherheit?

Definition

Messunsicherheit: Die Messunsicherheit ist der Wertebereich, in dem der wahre Wert einer Messgröße mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit liegt; sie quantifiziert, wie zuverlässig ein Messergebnis ist, und ist zentraler Bestandteil der messtechnischen Rückführbarkeit nach ISO 9001:2015 Kapitel 7.1.5.2.

Jedes Messergebnis ist mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, verursacht etwa durch das Messgerät selbst, Umgebungsbedingungen wie Temperatur, die Bedienperson oder das Messverfahren. Die Messunsicherheit beschreibt diese Unsicherheit als Zahlenwert, häufig angegeben als erweiterte Messunsicherheit mit einem festgelegten Vertrauensniveau, meist 95 Prozent.

Die methodische Grundlage für die Berechnung liefert international der GUM-Leitfaden (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement), der ein einheitliches Vorgehen zur Ermittlung und Angabe von Messunsicherheiten vorgibt. Für Kalibrierlaboratorien ist zusätzlich ISO/IEC 17025 maßgeblich, die konkrete Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien und damit auch an die Ermittlung von Messunsicherheiten stellt.

BegriffBedeutung
MessabweichungDifferenz zwischen Messwert und wahrem Wert
MessunsicherheitBereich, in dem der wahre Wert vermutet wird
KalibrierscheinDokument, das Messunsicherheit ausweist

In der betrieblichen Praxis wird die Messunsicherheit vor allem bei Prüfmitteln relevant: Wer ein Werkstück gegen eine enge Toleranz prüft, muss wissen, wie zuverlässig das eingesetzte Messmittel überhaupt ist, sonst können vermeintlich gute Teile in Wirklichkeit außerhalb der Toleranz liegen.

Als grober Richtwert gilt in vielen Branchen, dass die Messunsicherheit eines Prüfmittels deutlich kleiner sein sollte als die Toleranz des zu prüfenden Merkmals, häufig wird ein Verhältnis von mindestens eins zu vier oder besser angestrebt. Ist dieses Verhältnis nicht gegeben, steigt das Risiko, gute Teile fälschlich als Ausschuss oder schlechte Teile fälschlich als konform zu bewerten.

Relevanz für die Zertifizierung

ISO 9001:2015 verlangt in Kapitel 7.1.5.2 „Messtechnische Rückführbarkeit“, dass Messmittel dort, wo Rückverfolgbarkeit gefordert ist, gegen international oder national anerkannte Normale kalibriert oder verifiziert werden. Auditoren prüfen dabei nicht nur, ob Kalibrierscheine vorliegen, sondern auch, ob die dort ausgewiesene Messunsicherheit im Verhältnis zur geforderten Toleranz angemessen ist. Ist die Messunsicherheit im Vergleich zur Toleranz zu groß, kann das Prüfergebnis selbst infrage stehen.

Häufige Fragen zu Messunsicherheit

ISO 9001:2015 Kapitel 7.1.5.2 verlangt messtechnische Rückführbarkeit für Messmittel, bei denen dies für das Vertrauen in die Konformität von Produkten notwendig ist. Ein Kalibrierschein mit ausgewiesener Messunsicherheit ist dafür der übliche Nachweis, auch wenn die Norm den Begriff nicht in jedem Fall wörtlich fordert.

Die Messabweichung ist die konkrete Differenz zwischen dem gemessenen und dem wahren Wert bei einer einzelnen Messung. Die Messunsicherheit ist dagegen ein statistischer Bereich, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit der wahre Wert in einem bestimmten Intervall um das Messergebnis liegt.

In der Regel das Kalibrierlabor, das die Kalibrierung durchführt, meist nach den Vorgaben des GUM-Leitfadens und bei akkreditierten Laboratorien nach ISO/IEC 17025. Das Ergebnis wird auf dem Kalibrierschein zusammen mit dem Messwert ausgewiesen und sollte bei der Bewertung der Prüfmitteleignung berücksichtigt werden.

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