ISO 9001/QM

Was ist Qualitätsregelkarte?

Definition

Qualitätsregelkarte: Die Qualitätsregelkarte ist ein Werkzeug der statistischen Prozesslenkung (SPC), das Messwerte eines Prozesses fortlaufend gegen festgelegte Eingriffsgrenzen aufträgt, um Sonderstreuung frühzeitig von zufälliger Schwankung zu unterscheiden.

Die Qualitätsregelkarte, auch Shewhart-Regelkarte genannt, geht auf die statistische Prozesslenkung (Statistical Process Control, SPC) zurück: Messwerte eines Merkmals werden in regelmäßigen Abständen erfasst und grafisch gegen eine obere und untere Eingriffsgrenze (Upper/Lower Control Limit, UCL/LCL) aufgetragen. Bewegen sich die Werte innerhalb der Grenzen und ohne auffällige Muster, gilt der Prozess als statistisch beherrscht.

Verlässt ein Wert die Eingriffsgrenzen oder zeigt sich ein systematisches Muster wie ein Trend oder mehrere Werte auf einer Seite der Mittellinie, deutet das auf eine besondere Ursache hin – Sonderstreuung im Unterschied zur normalen, zufälligen Streuung des Prozesses.

Von der Qualitätsregelkarte klar zu unterscheiden sind zwei verwandte Konzepte: Der Cpk-Wert ist ein einzelner, punktuell berechneter Kennwert der Prozessfähigkeit, während die Regelkarte den Prozess laufend über die Zeit überwacht. Die Prozessfähigkeitsuntersuchung wiederum prüft periodisch, ob ein Prozess grundsätzlich fähig ist, die Toleranzgrenzen einzuhalten – die Regelkarte zeigt dagegen tagesaktuell, ob dieser fähige Prozess auch stabil bleibt.

Praktisch relevant ist die Methode vor allem in der Serienfertigung, etwa in der Automobilzulieferindustrie nach IATF 16949, wo Regelkarten häufig direkt an der Maschine geführt werden.

  • Grafische Überwachung über Eingriffsgrenzen (UCL/LCL)
  • Sonderstreuung versus normale Streuung als zentrale Unterscheidung
  • Cpk-Wert: punktueller Kennwert – Regelkarte: laufende Überwachung
  • Prozessfähigkeit: periodische Fähigkeitsuntersuchung – Regelkarte: kontinuierliches Werkzeug

Relevanz für die Zertifizierung

Für eine ISO-9001-Zertifizierung ist die Qualitätsregelkarte kein normativ zwingend vorgeschriebenes Einzeldokument, aber ein häufig genutzter Nachweis für die geforderte Überwachung und Messung von Prozessen nach Kapitel 9.1. Der Auditor bei KCERT prüft in der Serienfertigung typischerweise, ob geführte Regelkarten tatsächlich ausgewertet werden und ob bei Grenzüberschreitungen dokumentierte Reaktionen erfolgen – reine Datensammlung ohne Reaktion gilt als Feststellung. Für Zulieferbetriebe mit IATF-16949-Anforderung ihrer Kunden ist der Nachweis gelebter SPC oft ein Vertragsbestandteil, den KCERT im Rahmen der ISO-9001-Zertifizierung mitprüft, ohne selbst IATF 16949 zu zertifizieren.

Häufige Fragen zu Qualitätsregelkarte

Nein, ISO 9001 schreibt keine bestimmte Methode namentlich vor. Kapitel 9.1 verlangt jedoch, dass Prozesse überwacht und gemessen werden, und in der Serienfertigung ist die Qualitätsregelkarte dafür ein etabliertes, häufig genutztes Werkzeug. In Zuliefererbeziehungen mit IATF-16949-Anforderung wird SPC über Kundenverträge oft verbindlich vorgeschrieben.

Der Cpk-Wert ist ein einzelner, zu einem bestimmten Zeitpunkt berechneter Kennwert, der angibt, wie gut ein Prozess seine Toleranzgrenzen einhält. Die Qualitätsregelkarte dagegen überwacht denselben Prozess fortlaufend über die Zeit und zeigt an, wann besondere Ursachen eingreifen. Beide Werkzeuge ergänzen sich: Der Cpk-Wert liefert die Fähigkeitsaussage, die Regelkarte die laufende Kontrolle.

Eine Grenzüberschreitung oder ein auffälliges Muster wie ein Trend signalisiert eine besondere Ursache, die sofort untersucht werden muss, etwa Werkzeugverschleiß oder ein Materialwechsel. Üblich ist ein festgelegter Reaktionsplan, der die Produktion stoppt oder Nacharbeit auslöst, bis die Ursache geklärt ist. Auditoren prüfen genau diese Reaktion, nicht nur das reine Führen der Karte.

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