ISO 9001/QM

Was ist Prozessfähigkeit?

Definition

Prozessfähigkeit: Prozessfähigkeit misst mit den Kennzahlen Cp und Cpk, ob ein Fertigungsprozess unter realen, längerfristigen Bedingungen – also inklusive Werkzeugverschleiß, Materialschwankungen und Bedienereinfluss – zuverlässig innerhalb der Spezifikationsgrenzen produziert.

Prozessfähigkeit beschreibt, wie zuverlässig ein Fertigungsprozess über einen längeren Zeitraum innerhalb festgelegter Toleranzgrenzen produziert – unter realen Bedingungen mit allen üblichen Streuungsursachen wie Werkzeugverschleiß, schwankender Rohstoffqualität, unterschiedlichen Bedienern und Umgebungseinflüssen. Bewertet wird sie über die Kennzahlen Cp (Streubreite im Verhältnis zur Toleranz) und Cpk (zusätzlich unter Berücksichtigung einer möglichen Lageabweichung vom Toleranzmittelpunkt).

Von der Maschinenfähigkeit unterscheidet sich die Prozessfähigkeit grundlegend im Erhebungsumfang: Die Maschinenfähigkeit (Cm/Cmk) misst nur die kurzfristige Fähigkeit der Maschine allein, meist anhand einer kleinen Stichprobe unter besonders kontrollierten Bedingungen ohne Werkzeugverschleiß oder Bedienereinfluss. Die Prozessfähigkeit ist umfassender: Sie bezieht eine größere Stichprobe über einen längeren Produktionszeitraum ein und schließt damit alle real auftretenden Streuungsquellen ein, nicht nur die Maschine selbst.

In der Praxis wird eine Prozessfähigkeitsuntersuchung meist punktuell durchgeführt, etwa zur Freigabe eines neuen Prozesses oder nach größeren Änderungen, während die laufende Überwachung im Alltag über Qualitätsregelkarten erfolgt. Automobilzulieferer verlangen häufig einen Mindestwert von Cpk ≥ 1,33 als Freigabekriterium.

  • Kennzahlen: Cp (Streubreite) und Cpk (inklusive Lageabweichung)
  • Bezieht alle realen Streuungsursachen ein – nicht nur die Maschine
  • Abgrenzung zur Maschinenfähigkeit: kurzfristig/Maschine allein vs. langfristig/gesamter Prozess
  • Typischer Zielwert in der Automobilindustrie: Cpk ≥ 1,33

Relevanz für die Zertifizierung

Für produzierende Unternehmen, die sich nach ISO 9001 zertifizieren lassen, verlangt der Auditor bei kritischen Merkmalen keinen bestimmten Cpk-Wert – die Norm selbst schreibt keine Zahl vor –, prüft aber, ob ein Unternehmen mit erkennbarem Qualitätsrisiko überhaupt eine Prozessfähigkeitsbetrachtung durchführt und Konsequenzen aus schlechten Werten zieht. Wo Kunden, etwa aus der Automobilindustrie, konkrete Cpk-Grenzwerte vertraglich fordern, prüft der Auditor zusätzlich, ob diese Anforderungen in die eigene Qualitätsplanung und in Control Plans übernommen wurden. Auch ohne Automobilbezug gilt: Eine dokumentierte Prozessfähigkeitsuntersuchung für die wichtigsten Merkmale ist ein starker Nachweis für gelebtes, faktengestütztes Qualitätsmanagement statt reiner Behauptungen.

Häufige Fragen zu Prozessfähigkeit

Die Maschinenfähigkeit (Cm/Cmk) misst nur die kurzfristige Leistung der Maschine allein, meist anhand einer kleinen Stichprobe unter besonders kontrollierten Bedingungen ohne Werkzeugverschleiß oder Bedienereinfluss. Die Prozessfähigkeit (Cp/Cpk) bezieht eine größere Stichprobe über einen längeren Zeitraum ein und schließt alle real auftretenden Streuungsursachen ein, nicht nur die Maschine.

Eine allgemeingültige gesetzliche oder normative Vorgabe existiert nicht. In der Automobilindustrie hat sich Cpk ≥ 1,33 als üblicher Mindestwert für die Serienfreigabe etabliert, teils werden für besonders kritische Merkmale auch 1,67 verlangt. Außerhalb dieser Branche legen Unternehmen und Kunden die geforderten Werte meist vertraglich individuell fest.

Die Norm schreibt Cp/Cpk-Werte nicht wörtlich vor, verlangt aber in Kapitel 8.5 und 9.1, dass Prozesse überwacht und ihre Fähigkeit sichergestellt wird, besonders bei Merkmalen mit hohem Qualitätsrisiko. In der Praxis ist die statistische Prozessfähigkeitsuntersuchung dafür das gebräuchlichste und am Audit am leichtesten nachweisbare Instrument.

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