Methoden/IMS

Was ist High Level Structure (HLS)?

Definition

High Level Structure (HLS): Die High Level Structure ist die von der ISO verbindlich vorgegebene Grundgliederung mit den Kapiteln 4 bis 10, nach der alle modernen Managementsystemnormen wie ISO 9001, 14001, 45001, 27001 und 50001 aufgebaut sind, um Struktur, Begriffe und Kernanforderungen zu vereinheitlichen.

Grundlage ist Anhang SL (Annex SL) der ISO/IEC-Direktiven Teil 1, der seit 2012 für jede neue oder überarbeitete Managementsystemnorm dieselbe Kapitelfolge, identische Kernbegriffe und einen gemeinsamen Rahmentext vorschreibt. Seit der Überarbeitung 2021 heißt das Rahmenwerk offiziell „Harmonized Structure” (HS), in der Praxis hat sich der Begriff High Level Structure jedoch weitgehend gehalten.

KapitelInhalt
4Kontext der Organisation
5Führung
6Planung
7Unterstützung
8Betrieb
9Bewertung der Leistung
10Verbesserung

Diese Struktur ist kein eigenes Zertifizierungsobjekt und keine Norm, die ein Unternehmen isoliert einführen könnte – sie ist ein Werkzeug für Normenausschüsse, das aber unmittelbar bei Unternehmen ankommt: Wer ISO 9001 kennt, findet sich in ISO 27001 oder ISO 45001 in denselben Kapitelnummern zurecht, auch wenn die normspezifischen Inhalte in Kapitel 6 bis 8 abweichen. Ergänzt wird die HLS um identische Grundbegriffe, etwa „interessierte Parteien” oder „dokumentierte Information”, die in jeder Norm gleich definiert sind.

Für die betriebliche Praxis bedeutet das: Prozesse, Dokumentenlenkung, internes Audit und Managementbewertung lassen sich normübergreifend nach demselben Muster aufbauen, statt für jede Zertifizierung ein eigenes Regelwerk zu entwickeln.

Vor Einführung der HLS folgten ISO 9001, ISO 14001 und andere Normen jeweils eigenen Kapitelnummerierungen, was die parallele Pflege mehrerer Managementsysteme erschwerte. Mit jeder Überarbeitung einer Norm auf die aktuelle HLS-Fassung – etwa dem Wechsel von ISO 9001:2008 auf ISO 9001:2015 – räumt die ISO den Zertifikatsinhabern meist eine mehrjährige Übergangsfrist ein, häufig drei Jahre ab Veröffentlichung der neuen Normfassung, bevor Zertifikate nach der alten Fassung ihre Gültigkeit verlieren.

Relevanz für die Zertifizierung

Für Unternehmen, die mehrere Zertifizierungen anstreben, etwa ISO 9001 und ISO 27001 gemeinsam, ist die High Level Structure der eigentliche Grund, warum ein integriertes Managementsystem mit einem gemeinsamen Handbuch funktioniert. KCERT nutzt diese Struktur aktiv bei Anfragen nach mehreren Normen: Kontext, Führung, internes Audit und Managementbewertung werden im Stufe-1- und Stufe-2-Audit für alle beantragten Normen gemeinsam geprüft, was Zeit und Kosten gegenüber getrennten Einzelaudits spart. Wichtig bleibt trotzdem, die normspezifischen Kapitel 6 bis 8 – etwa Risikobewertung nach ISO 27001 oder Gefährdungsbeurteilung nach ISO 45001 – jeweils eigenständig und vollständig auszuarbeiten, da die HLS hier bewusst Raum für Normspezifika lässt.

Häufige Fragen zu High Level Structure (HLS)

Nein. Die High Level Structure ist eine Vorgabe der ISO/IEC-Direktiven Teil 1 (Anhang SL) für Normenausschüsse, keine eigenständige, zertifizierbare Norm. Zertifiziert werden weiterhin einzelne Managementsystemnormen wie ISO 9001 oder ISO 27001, die lediglich alle derselben Kapitelstruktur folgen.

Fachlich wenig: Die Kapitelfolge 4 bis 10 und die gemeinsamen Grundbegriffe blieben erhalten. Die ISO passte 2021 vor allem Bezeichnung und einzelne Formulierungen im Rahmentext an, um Missverständnisse zwischen älteren und neueren Normfassungen zu vermeiden. In der betrieblichen Praxis bleibt der Begriff High Level Structure gebräuchlich.

Weil Kapitel wie Kontext der Organisation, Führung, internes Audit oder Managementbewertung in allen Normen identisch benannt und ähnlich aufgebaut sind, lassen sich diese Prozesse einmal beschreiben und für mehrere Zertifizierungen gemeinsam nutzen, statt sie je Norm doppelt zu dokumentieren.

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