ISO 14001/Umwelt

Was ist Umweltrecht?

Definition

Umweltrecht: Umweltrecht ist der Sammelbegriff für sämtliche Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit Umweltmedien und Umweltbelastungen regeln, darunter das Bundes-Immissionsschutzgesetz, das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das Wasserhaushaltsgesetz, das Chemikaliengesetz und die Gefahrstoffverordnung.

Das Umweltrecht in Deutschland ist kein einzelnes Gesetzbuch, sondern setzt sich aus zahlreichen Einzelgesetzen und Verordnungen auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene zusammen. Zu den zentralen Regelwerken zählen unter anderem:

  • Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) – Luftreinhaltung, Lärm, Anlagengenehmigung
  • Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) – Abfallvermeidung und -entsorgung
  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG) – Umgang mit Gewässern und wassergefährdenden Stoffen
  • Chemikaliengesetz (ChemG) und Gefahrstoffverordnung – Umgang mit gefährlichen Stoffen

Für Unternehmen mit einem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001:2015 ist Kapitel 6.1.3 „Bindende Verpflichtungen“ zentral: Die Norm verlangt, dass relevante rechtliche Anforderungen ermittelt, dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden. Da sich Umweltrecht durch Novellen, neue Grenzwerte oder EU-Vorgaben laufend ändert, reicht eine einmalige Erfassung nicht aus.

In der Praxis bündeln Unternehmen die für sie relevanten Vorschriften in einem Rechtskataster, das je nach Branche und Tätigkeit sehr unterschiedlich umfangreich ausfallen kann, von wenigen Vorschriften bei einem Bürobetrieb bis zu umfangreichen Regelwerken bei produzierenden Unternehmen mit Emissionen oder Gefahrstoffeinsatz.

Neben den Bundesgesetzen kommen häufig Landesrecht, kommunale Satzungen sowie EU-Verordnungen hinzu, die je nach Standort und Tätigkeit zusätzlich zu beachten sind, etwa bei Abwassereinleitungen oder Abfallentsorgung. Auch behördliche Genehmigungsbescheide, etwa nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, enthalten eigene, betriebsspezifische Auflagen, die Teil des Rechtskatasters werden sollten. Wer diese Ebenen nicht systematisch erfasst, läuft Gefahr, einzelne Pflichten schlicht zu übersehen, weil sie nicht im allgemeinen Bundesrecht, sondern in einem lokalen Bescheid stehen.

Relevanz für die Zertifizierung

Da Umweltrecht ein sehr breiter, generischer Begriff ist, prüfen Auditoren im Rahmen von ISO 14001 nicht das Umweltrecht als Ganzes, sondern konkret, ob ein aktuelles, auf das Unternehmen zugeschnittenes Rechtskataster existiert und ob dessen Einhaltung regelmäßig überprüft wird, etwa im internen Audit oder in der Managementbewertung. Ein veraltetes oder unvollständiges Rechtskataster ist einer der häufigsten Gründe für eine Abweichung im Zertifizierungsaudit nach ISO 14001:2015 Kapitel 6.1.3.

Häufige Fragen zu Umweltrecht

Nein, relevant sind nur die Vorschriften, die für die konkrete Tätigkeit des Unternehmens gelten. Ein Bürobetrieb ohne Emissionen hat ein deutlich schmaleres Rechtskataster als ein produzierendes Unternehmen mit Gefahrstoffeinsatz oder genehmigungspflichtigen Anlagen, weshalb die Ermittlung immer betriebsspezifisch erfolgen muss.

ISO 14001:2015 Kapitel 6.1.3 verlangt keine feste Frist, aber eine regelmäßige Aktualisierung. In der Praxis prüfen Unternehmen ihr Rechtskataster meist jährlich oder anlassbezogen bei Gesetzesänderungen, oft im Rahmen der Managementbewertung oder eines internen Audits, um Lücken frühzeitig zu erkennen.

Ein bekannt gewordener Rechtsverstoß kann im Überwachungsaudit zu einer Abweichung führen und muss über eine dokumentierte Korrekturmaßnahme behoben werden. Schwerwiegende, nicht behobene Verstöße können im Extremfall zur Aussetzung oder zum Entzug des Zertifikats führen, unabhängig von der jeweiligen Norm.

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