ISO 9001/QM

Was ist Rechtskataster?

Definition

Rechtskataster: Ein Rechtskataster ist das Register, in dem ein Unternehmen alle für es geltenden Gesetze, Verordnungen, Normen und behördlichen Auflagen systematisch erfasst, bewertet und aktuell hält.

Ein Rechtskataster listet typischerweise für jede relevante Anforderung die Rechtsquelle, den konkreten Anwendungsbereich im eigenen Betrieb, die verantwortliche Person, den Status der Umsetzung und einen Termin für die nächste Überprüfung. Erfasst werden nicht nur Gesetze im engeren Sinn, sondern auch technische Normen, behördliche Genehmigungsauflagen und – je nach Managementsystem – vertragliche Kundenanforderungen.

Begrifflich ist das Rechtskataster von den bindenden Verpflichtungen zu unterscheiden, auch wenn beide dasselbe Konzept meinen: Bindende Verpflichtungen ist der normative Fachbegriff aus ISO 14001:2015, unter dem im englischen Original von „compliance obligations“ die Rede ist. Das Rechtskataster ist der in der betrieblichen Praxis gebräuchliche Name für das konkrete Dokument beziehungsweise Werkzeug, mit dem diese bindenden Verpflichtungen erfasst und verwaltet werden. Wer von seinem Rechtskataster spricht, meint also das Arbeitsmittel; wer von bindenden Verpflichtungen spricht, meint die normative Anforderung dahinter.

Gefordert wird das Konzept nicht nur in ISO 14001, sondern gleichermaßen in ISO 9001, 45001 und 50001, jeweils unter der Anforderung, rechtliche und sonstige Anforderungen zu bestimmen und einzuhalten. In der Praxis führen viele Unternehmen deshalb ein gemeinsames Rechtskataster für alle Managementsysteme statt separater Listen je Norm.

  • Erfasst: Rechtsquelle, Anwendungsbereich, Verantwortlichkeit, Umsetzungsstatus, Prüftermin
  • Praxisbegriff für die normative Anforderung „bindende Verpflichtungen“ (ISO 14001:2015)
  • Gleichermaßen gefordert in ISO 9001, 14001, 45001 und 50001
  • Häufig als ein gemeinsames Register für alle Managementsysteme geführt

Relevanz für die Zertifizierung

Ein aktuelles, vollständiges Rechtskataster gehört zu den ersten Dokumenten, die ein Auditor bei KCERT in jedem Stufe-1-Audit einsieht – unabhängig davon, für welche der fünf Normen zertifiziert wird. Geprüft wird nicht nur, ob das Dokument existiert, sondern ob es tatsächlich gepflegt wird: Stimmen die erfassten Vorschriften mit dem realen Geschäftsbetrieb überein, gibt es für jede Anforderung eine verantwortliche Person, und liegt ein nachvollziehbarer Prüftermin vor? Unternehmen, die mehrere Normen gleichzeitig anstreben, sparen mit einem gemeinsamen Rechtskataster spürbar Aufwand gegenüber separaten Listen je Managementsystem. Wer noch keines führt, sollte spätestens vor dem Erstgespräch mit einer einfachen Tabelle beginnen und diese laufend statt erst kurz vor dem Audit aktualisieren.

Häufige Fragen zu Rechtskataster

Ja, indirekt. ISO 9001, 14001, 45001 und 50001 verlangen jeweils, rechtliche und sonstige Anforderungen zu bestimmen, zu bewerten und deren Einhaltung sicherzustellen. Ein eigenständiges Dokument namens „Rechtskataster“ schreibt keine Norm wörtlich vor, in der Praxis ist es aber das übliche und vom Auditor erwartete Werkzeug dafür.

Bindende Verpflichtungen ist der normative Fachbegriff aus ISO 14001:2015 für alle rechtlichen und sonstigen Anforderungen eines Unternehmens. Rechtskataster ist der in der Praxis gebräuchliche Name für das konkrete Dokument, mit dem diese Verpflichtungen erfasst, bewertet und aktuell gehalten werden – beide meinen im Kern dasselbe Konzept aus zwei Blickwinkeln.

Eine feste gesetzliche Frist gibt es nicht, üblich und vom Auditor erwartet ist mindestens eine jährliche Prüfung im Rahmen der Managementbewertung. Bewährt hat sich zusätzlich, jeder erfassten Anforderung eine verantwortliche Person und ein festes Prüfintervall zuzuordnen, damit Gesetzesänderungen nicht erst zufällig bei der nächsten Bewertung auffallen.

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