KI/ISO 42001

Was ist Transparenzpflichten für KI?

Definition

Transparenzpflichten für KI: Transparenzpflichten nach Art. 50 der KI-Verordnung verlangen seit dem 2. August 2026, dass Menschen erkennen können, wenn sie mit KI interagieren oder KI-erzeugte Inhalte sehen: Chatbots müssen sich zu erkennen geben, Deepfakes und synthetische Inhalte sind zu kennzeichnen.

Art. 50 gilt unabhängig von der Risikoklasse — er knüpft daran an, was ein System tut, nicht wie riskant es ist. Vier Pflichten sind zu unterscheiden:

PflichtWen sie trifftInhalt
Interaktion (Abs. 1)AnbieterChatbots und ähnliche Systeme müssen offenlegen, dass eine KI antwortet — außer es ist offensichtlich
Maschinenlesbare Kennzeichnung (Abs. 2)AnbieterKI-erzeugte Audio-, Bild-, Video- und Textinhalte müssen als künstlich erkennbar markiert sein
Emotionserkennung, biometrische Kategorisierung (Abs. 3)BetreiberBetroffene Personen sind zu informieren
Deepfakes und Texte von öffentlichem Interesse (Abs. 4)BetreiberKünstliche Herkunft ist offenzulegen; bei redaktionell verantworteten Texten gelten Ausnahmen

Die EU-Kommission hat 2026 Leitlinien zur Auslegung veröffentlicht; Kernbotschaft: Der Hinweis muss klar, gut sichtbar und zum Zeitpunkt des Kontakts erfolgen — ein Satz im Kleingedruckten genügt nicht. Verstöße können mit bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Zwei zeitliche Details (Stand: September 2026): Die Pflichten gelten seit dem 2. August 2026. Für die maschinenlesbare Kennzeichnung nach Abs. 2 räumt der Digital Omnibus Systemen, die vor diesem Stichtag in Verkehr gebracht wurden, eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 ein.

Relevanz für die Zertifizierung

Für die meisten Unternehmen sind die Transparenzpflichten die erste AI-Act-Pflicht mit Außenwirkung: Kundenchatbots, KI-generierte Marketingbilder oder Avatarvideos fallen schnell darunter. Der geregelte Umgang damit — wer kennzeichnet was, womit, und wer prüft es — gehört in die KI-Richtlinie und wird in einem ISO-42001-Audit als Teil der betrieblichen Praxis geprüft, auch bei KCERT. Das Zertifikat bestätigt das Managementsystem; die Rechtspflicht zur Kennzeichnung erfüllt jedes Unternehmen selbst.

Häufige Fragen zu Transparenzpflichten für KI

Meist nicht. Die Betreiberpflicht für Texte nach Art. 50 Abs. 4 greift nur, wenn der Text veröffentlicht wird, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren — also eher bei journalistisch anmutenden Inhalten als bei Werbetexten. Ausgenommen sind zudem Texte, die eine menschliche redaktionelle Kontrolle mit Verantwortung durchlaufen haben. Anders bei Deepfakes: Realistisch wirkende künstliche Bilder, Videos oder Stimmen echter Personen sind grundsätzlich offenzulegen. Stand: September 2026.

Art. 50 Abs. 1 schützt natürliche Personen generell, unterscheidet also nicht nach intern und extern. Die Pflicht entfällt aber, wenn der KI-Charakter aus Sicht einer informierten Person offensichtlich ist — was bei einem intern eingeführten, geschulten Assistenten regelmäßig der Fall sein dürfte. Sauber gelöst ist es trotzdem mit einem dauerhaften Hinweis in der Oberfläche. Kritischer sind kundenseitige Chatbots: Dort muss der Hinweis klar und beim ersten Kontakt erfolgen.

Der Bußgeldrahmen liegt bei bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Vorjahres, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Zuständig für die Durchsetzung in Deutschland ist die Bundesnetzagentur als zentrale Marktüberwachungsbehörde nach dem KI-MIG. Daneben drohen wettbewerbsrechtliche Abmahnungen, wenn fehlende Kennzeichnung als Irreführung gewertet wird. Sanktionspraxis gibt es kurz nach Geltungsbeginn noch kaum. Stand: September 2026.

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