Zertifizierung/Audit

Was ist Auditkriterien?

Definition

Auditkriterien: Auditkriterien sind der Maßstab, gegen den ein Auditor im Audit die vorgefundenen Nachweise bewertet – üblicherweise die Anforderungen der jeweiligen ISO-Norm, ergänzt um eigene Verfahrensanweisungen, gesetzliche Vorgaben und vertragliche Verpflichtungen des Unternehmens.

ISO 19011, die Leitlinie für die Auditierung von Managementsystemen, definiert Auditkriterien als Bezugsgrundlage, mit der Auditnachweise verglichen werden. Sie bestehen in der Praxis fast nie nur aus dem reinen Normtext, sondern aus mehreren Ebenen gleichzeitig.

  • Normanforderungen der jeweiligen ISO-Norm (z. B. ISO 9001, 14001, 45001, 27001, 50001)
  • Eigene dokumentierte Verfahren, Arbeitsanweisungen und Prozessbeschreibungen des Unternehmens
  • Gesetzliche und behördliche Vorgaben, die für die Organisation bindend sind
  • Vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kunden, soweit im Managementsystem verankert

Der Auditor legt die relevanten Auditkriterien bereits im Auditplan fest, bevor das Audit beginnt, damit für beide Seiten klar ist, woran die Bewertung erfolgt. Weicht ein vorgefundener Zustand von den Auditkriterien ab, dokumentiert der Auditor das als Abweichung – unterschieden nach Hauptabweichung (Norm oder gesetzliche Anforderung grundsätzlich nicht erfüllt) und Nebenabweichung (Einzelfall, System grundsätzlich wirksam).

Wichtig für die Praxis: Ein Auditor bewertet nicht nach eigenem Ermessen oder persönlicher fachlicher Meinung, sondern ausschließlich gegen die zuvor festgelegten Auditkriterien. Das schützt Unternehmen vor willkürlichen Feststellungen, verlangt im Gegenzug aber, dass eigene Verfahrensanweisungen präzise genug formuliert sind – wer in der eigenen Dokumentation strengere Vorgaben festschreibt, als die Norm verlangt, wird im Audit an dieser selbst gesetzten, strengeren Messlatte gemessen.

Relevanz für die Zertifizierung

Unternehmen unterschätzen häufig, dass die eigene Dokumentation selbst Teil der Auditkriterien wird: Wer im QM-Handbuch eine tägliche Kontrolle verspricht, aber nur wöchentlich prüft, produziert eine Abweichung gegen die eigene, selbst gesetzte Vorgabe – unabhängig davon, was die Norm tatsächlich verlangt. Vor dem Zertifizierungsaudit lohnt sich deshalb ein kritischer Blick in die eigenen Verfahrensanweisungen: Jede dort festgeschriebene Vorgabe muss im Alltag auch wirklich eingehalten werden. KCERT nennt die relevanten Auditkriterien bereits im Auditplan vor dem Termin, sodass Unternehmen sich gezielt vorbereiten können.

Häufige Fragen zu Auditkriterien

Auditkriterien umfassen die Anforderungen der jeweiligen ISO-Norm, die eigenen dokumentierten Verfahren und Arbeitsanweisungen des Unternehmens, relevante gesetzliche Vorgaben sowie vertraglich zugesicherte Kundenanforderungen, soweit sie im Managementsystem verankert sind. Der Auditor legt die konkret geltenden Kriterien vor dem Audit im Auditplan fest.

Nein. Auditoren bewerten ausschließlich gegen die zuvor festgelegten Auditkriterien, nicht nach persönlichem Ermessen. Diese Objektivitätspflicht ist in ISO 19011 verankert und schützt Unternehmen vor willkürlichen Feststellungen. Fühlt sich ein Unternehmen ungerecht bewertet, kann es die Zuordnung einer Feststellung zu einem konkreten Auditkriterium einfordern.

Der Auditor dokumentiert die Abweichung mit Bezug auf das konkrete Auditkriterium, das nicht erfüllt wurde, und unterscheidet zwischen Haupt- und Nebenabweichung. Bei einer Hauptabweichung muss das Unternehmen vor Zertifikatserteilung nachweislich korrigieren; bei einer Nebenabweichung wird üblicherweise eine Frist für die Korrekturmaßnahme gesetzt.

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