AS9100: AS9100 ist die international anerkannte Qualitätsmanagementnorm für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Verteidigungszulieferer; sie baut auf ISO 9001 auf und ergänzt branchenspezifische Anforderungen an Konfigurationsmanagement, Rückverfolgbarkeit und sicherheitskritische Teile.
Herausgeber ist die International Aerospace Quality Group (IAQG), ein Zusammenschluss von Luftfahrtherstellern wie Airbus, Boeing und Rolls-Royce. Wie IATF 16949 im Automotive-Bereich ist AS9100 kein eigenständiges Managementsystem, sondern erweitert ISO 9001 um branchenspezifische Zusatzanforderungen, etwa lückenlose Rückverfolgbarkeit von Bauteilen, strenges Konfigurationsmanagement und Sonderfreigabeverfahren für Abweichungen.
| Merkmal | ISO 9001 | AS9100 |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Branchenübergreifend | Luft-/Raumfahrt, Verteidigung |
| Rückverfolgbarkeit | Risikobasiert | Lückenlos, bauteilbezogen |
| Zertifizierungsstellen | Frei wählbar | Nur IAQG-anerkannt über OASIS |
Zentral ist das OASIS-Register (Online Aerospace Supplier Information System), in dem jedes AS9100-Zertifikat samt Auditergebnis öffentlich einsehbar hinterlegt wird – ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den meisten anderen Managementsystemnormen. Zertifizierungsstellen benötigen dafür eine eigene IAQG-Anerkennung zusätzlich zur allgemeinen Akkreditierung für ISO 9001. Für Zulieferer ohne direkten Luftfahrtvertrag lohnt sich vorab die Prüfung, ob Kunden AS9100 tatsächlich vertraglich verlangen oder ein normkonformes ISO-9001-System bereits ausreicht.
Die aktuelle Fassung AS9100D orientiert sich an der Kapitelstruktur von ISO 9001:2015. Für angrenzende Bereiche existieren verwandte Normen desselben Regelwerks: AS9110 richtet sich an Wartungsbetriebe (MRO), AS9120 an Händler und Distributoren von Luftfahrtteilen. Alle drei Normen teilen sich das gemeinsame IAQG-Zertifizierungsschema und das OASIS-Register, unterscheiden sich aber in den branchenspezifischen Zusatzanforderungen.
Relevanz für die Zertifizierung
Radikale Ehrlichkeit: KCERT zertifiziert ISO 9001, aber nicht AS9100 – dafür ist ausschließlich eine über die IAQG anerkannte und im OASIS-Register geführte Zertifizierungsstelle berechtigt. Wer direkt an Luftfahrt- oder Verteidigungshersteller liefert, kommt an einer AS9100-Zertifizierung meist nicht vorbei. Für Zulieferer, die Luftfahrtkunden nur mittelbar beliefern oder deren Kunden kein AS9100-Zertifikat vertraglich fordern, kann ein ISO-9001-Zertifikat mit gelebten Qualitätswerkzeugen wie FMEA ein realistischer erster Schritt sein, bevor in den aufwendigeren AS9100-Prozess investiert wird. Die Entscheidung für oder gegen AS9100 sollte daher immer anhand konkreter, vertraglich fixierter Kundenanforderungen getroffen werden, nicht anhand einer pauschalen Brancheneinschätzung, da der zusätzliche Aufwand für Rückverfolgbarkeit und Konfigurationsmanagement spürbar über dem einer reinen ISO-9001-Zertifizierung liegt.
Häufige Fragen zu AS9100
Nein. AS9100-Zertifikate dürfen ausschließlich von Zertifizierungsstellen ausgestellt werden, die von der International Aerospace Quality Group (IAQG) anerkannt und im OASIS-Register gelistet sind – eine nicht akkreditierte Zertifizierung wie bei KCERT reicht dafür nicht aus. KCERT zertifiziert stattdessen ISO 9001, das als Basisnorm auch für Luftfahrt-nahe Betriebe eine sinnvolle Grundlage sein kann.
Nicht zwingend. Direkte Vertragspartner von Herstellern wie Airbus oder Rolls-Royce verlangen die Norm fast immer. Zulieferer, die nur mittelbar in die Luftfahrtindustrie liefern oder deren Kunden kein AS9100-Zertifikat explizit fordern, kommen häufig mit einem ISO-9001-Zertifikat und gelebten Qualitätswerkzeugen wie FMEA aus.
OASIS (Online Aerospace Supplier Information System) ist eine öffentlich einsehbare Datenbank, in der jedes gültige AS9100-Zertifikat samt Zertifizierungsstelle und Auditdatum hinterlegt ist. Luftfahrthersteller nutzen OASIS, um die Gültigkeit von Lieferantenzertifikaten direkt zu prüfen, ohne Kopien einzeln anfordern zu müssen.