ISO 9001/QM

Was ist APQP?

Definition

APQP: APQP (Advanced Product Quality Planning) ist ein strukturierter, aus der Automobilindustrie stammender Prozess zur Planung neuer Produkte und Fertigungsprozesse, der Qualitätsrisiken bereits vor Serienanlauf systematisch reduziert.

Der Prozess gliedert sich in fünf Phasen: Planung und Definition des Programms, Produktdesign und -entwicklung, Prozessdesign und -entwicklung, Validierung von Produkt und Prozess, sowie Serienproduktion mit fortlaufender Bewertung. Jede Phase endet mit einem definierten Freigabepunkt, bevor die nächste beginnt.

PhaseSchwerpunkt
1–2Programmplanung, Produktdesign
3Prozessdesign, Control Plan
4Validierung, Erstmusterprüfung
5Serienproduktion, Rückmeldung

Zentrale Werkzeuge innerhalb von APQP sind FMEA zur Risikoanalyse, Control Plan zur Prozesslenkung und schließlich PPAP als formaler Abnahmeschritt am Ende. APQP begleitet damit den gesamten Weg von der Idee bis zur freigegebenen Serienproduktion, während PPAP nur den letzten Meilenstein dokumentiert.

Ein häufiger Fehler ist, APQP nur als Formularvorgang zu behandeln – der eigentliche Nutzen liegt in der frühzeitigen, phasenweisen Risikoreduktion, nicht im nachträglichen Ausfüllen von Dokumenten.

Besonders wirksam ist APQP, wenn Fertigung und Qualitätssicherung bereits in frühen Entwicklungsphasen eingebunden werden, statt erst kurz vor Serienanlauf hinzugezogen zu werden. Probleme, die erst in Phase 4 auffallen, verursachen deutlich höhere Kosten und Zeitverzug als solche, die bereits im Produktdesign frühzeitig erkannt und korrigiert werden.

Relevanz für die Zertifizierung

Für Zulieferer der Automobilindustrie ist APQP häufig vertraglich vorausgesetzt, unabhängig von einer IATF-16949-Zertifizierung. Ein ISO-9001-zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem liefert dafür die strukturelle Basis, insbesondere im risikobasierten Denken nach Kapitel 6.1 und in der Produktentstehungsplanung nach Kapitel 8.3. APQP selbst bleibt aber eine kundenspezifische Anforderung, die zusätzlich zur ISO-9001-Zertifizierung erfüllt werden muss, nicht durch sie ersetzt wird. Auch kleinere Zulieferer ohne eigene Entwicklungsabteilung profitieren von einer schlanken, an die eigene Betriebsgröße angepassten APQP-Umsetzung: Entscheidend ist nicht die Dokumentendicke, sondern dass Risiken tatsächlich vor Serienanlauf systematisch erkannt und behoben werden, nicht erst nach der ersten Kundenreklamation. Entscheidend bleibt die frühzeitige, ehrliche Risikobetrachtung, nicht der reine Dokumentationsumfang selbst. Diese frühe Einbindung zahlt sich in der Praxis fast immer stärker aus als jede spätere Nacharbeit.

Häufige Fragen zu APQP

Nein, ISO 9001 fordert in Kapitel 8.3 eine systematische Entwicklungsplanung, schreibt aber nicht namentlich APQP vor. APQP ist eine branchenspezifische, in der Automobilindustrie etablierte Methode, diese Normanforderung mit einem strukturierten Fünf-Phasen-Modell konkret umzusetzen und wird dort meist zusätzlich vertraglich verlangt.

APQP begleitet den gesamten Produktentstehungsprozess über fünf Phasen von der Planung bis zur Serienproduktion. PPAP ist der formale Abnahmeschritt am Ende von Phase 4, mit dem der Lieferant dem Kunden die Serienreife anhand definierter Dokumente nachweist. PPAP ist somit ein Teilergebnis von APQP, nicht dessen Ersatz.

Zentral sind FMEA zur Risikoanalyse von Konstruktion und Prozess, der Control Plan zur Festlegung von Prüf- und Steuerungsmaßnahmen sowie am Ende PPAP zur formalen Abnahme. Ergänzend kommen häufig Prozessfähigkeitsstudien und Messsystemanalysen zum Einsatz, um die Serienreife objektiv zu belegen. Beide Werkzeuge ergänzen sich innerhalb des APQP-Prozesses und sollten nicht isoliert betrachtet werden.

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