Technische Lieferbedingungen: Technische Lieferbedingungen sind unternehmensspezifische Vorgaben, die neben allgemeinen Einkaufsbedingungen festlegen, welche technischen Qualitäts-, Prüf- und Dokumentationsanforderungen ein Lieferant bei Herstellung und Lieferung eines Produkts erfüllen muss.
Technische Lieferbedingungen (oft abgekürzt „TL") ergänzen die allgemeinen Geschäfts- und Einkaufsbedingungen um den fachlich-technischen Teil einer Bestellung. Während die allgemeinen Bedingungen Zahlungsziele, Haftung oder Gewährleistung regeln, legen technische Lieferbedingungen fest, wie das bestellte Produkt konkret beschaffen sein muss.
| Bereich | Typischer Inhalt |
|---|---|
| Maße und Toleranzen | Zulässige Abweichungen, Passungen |
| Werkstoff/Material | Zulässige Werkstoffe, Zertifikate, Herkunftsnachweise |
| Prüfung | Prüfverfahren, Stichprobenumfang, geforderte Prüfzeugnisse |
| Kennzeichnung | Etikettierung, Chargenrückverfolgbarkeit |
| Dokumentation | Konformitätserklärungen, Erstmusterprüfberichte |
In manchen Branchen existieren zusätzlich genormte oder branchenweit abgestimmte technische Lieferbedingungen, etwa für Baustoffe im Straßenbau oder im Rahmen von VDA-Vorgaben in der Automobilzulieferindustrie; die meisten Unternehmen formulieren technische Lieferbedingungen aber individuell je nach Produkt und Lieferant.
Für ISO 9001 sind technische Lieferbedingungen ein zentrales Werkzeug zur Umsetzung von Kapitel 8.4.3: Die Norm verlangt, dass ein Unternehmen externen Anbietern seine Anforderungen an Produkte, Prüfverfahren und Freigabekriterien eindeutig mitteilt, bevor es liefert. Ohne dokumentierte technische Lieferbedingungen fehlt in vielen Audits der Nachweis, dass diese Kommunikation tatsächlich verbindlich und nachvollziehbar erfolgt.
Ein häufiger Praxisfehler ist, technische Lieferbedingungen einmalig zu erstellen und danach nie an geänderte Produktanforderungen oder neue Prüfnormen anzupassen – Auditoren fragen im Lieferantenaudit gezielt nach dem Aktualisierungsstand.
Relevanz für die Zertifizierung
Für die ISO-9001-Zertifizierung genügt es nicht, gute Lieferanten zu haben – ein Auditor verlangt den schriftlichen Nachweis, dass Anforderungen an Lieferungen eindeutig kommuniziert wurden. Unternehmen ohne dokumentierte technische Lieferbedingungen tun sich in der Praxis schwer, Reklamationen gegenüber Lieferanten sauber zu begründen, da im Streitfall unklar bleibt, welche Qualität überhaupt vereinbart war. Schon eine einfache Vorlage mit den wichtigsten Feldern – Maße, Werkstoff, Prüfumfang, geforderte Dokumente – reicht für die Zertifizierung aus; entscheidend ist, dass sie tatsächlich an Lieferanten kommuniziert und bei Bestellungen konsequent referenziert wird. Im Lieferantenaudit lässt sich anhand konkreter technischer Lieferbedingungen zudem direkt prüfen, ob ein Lieferant die vereinbarten Anforderungen überhaupt kennt und einhält.
Häufige Fragen zu Technische Lieferbedingungen
Explizit verlangt die Norm keine Vorlage mit diesem Namen. Kapitel 8.4.3 fordert aber, dass Unternehmen externen Anbietern ihre Anforderungen an Produkte, Prüfverfahren und Freigabekriterien eindeutig mitteilen. Technische Lieferbedingungen sind das in der Praxis gängigste Werkzeug, um diese Anforderung nachvollziehbar zu erfüllen und im Audit zu belegen.
Allgemeine Einkaufsbedingungen regeln kaufmännische Punkte wie Zahlungsziele, Haftung und Gewährleistung. Technische Lieferbedingungen ergänzen das um den fachlichen Teil: Maße, Werkstoffe, Prüfverfahren, Kennzeichnung und geforderte Dokumentation. Beide Dokumente werden meist gemeinsam als Anlage zur Bestellung an Lieferanten übergeben und ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
Eine feste Frist gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Überprüfung, sobald sich Produktanforderungen, Prüfnormen oder gesetzliche Vorgaben ändern, sowie stichprobenartig im Rahmen des Lieferantenaudits. Auditoren fragen im Zertifizierungsaudit gezielt nach dem Aktualisierungsstand, da veraltete Lieferbedingungen ein häufiger Grund für Nichtkonformitäten in der Lieferantenbewertung sind.