ISO 9001/QM

Was ist Produktaudit?

Definition

Produktaudit: Ein Produktaudit prüft stichprobenartig, ob ein fertiges oder in Fertigung befindliches Produkt tatsächlich allen festgelegten Spezifikationen, Zeichnungen und Kundenanforderungen entspricht.

Anders als das Systemaudit, das die Wirksamkeit des gesamten Managementsystems betrachtet, oder das Prozessaudit, das einen einzelnen Ablauf untersucht, richtet sich das Produktaudit ausschließlich auf das Ergebnis: das fertige Teil oder die erbrachte Dienstleistung selbst, unabhängig davon, wie der zugrunde liegende Prozess organisiert ist.

Audit-ArtPrüftTypische Frage
SystemauditGesamtes ManagementsystemFunktioniert das QM-System als Ganzes?
ProzessauditEinzelner AblaufLäuft dieser Prozess wie geplant?
ProduktauditFertiges ProduktEntspricht dieses Teil der Spezifikation?

Produktaudits finden an unterschiedlichen Punkten statt: bei der Wareneingangskontrolle zugelieferter Teile, während der laufenden Fertigung als Zwischenprüfung oder als abschließende Endkontrolle vor Auslieferung. Manche Betriebe führen zusätzlich periodische Produktaudits auf bereits freigegebene, gelagerte oder ausgelieferte Ware durch, um schleichende Prozessabweichungen frühzeitig zu erkennen, bevor sie zu Reklamationen führen.

ISO 9001 nennt den Begriff 'Produktaudit' nicht wörtlich, verlangt aber in Kapitel 9.1 die Überwachung und Messung von Produktmerkmalen sowie in Kapitel 8.6 die dokumentierte Freigabe erst nach nachgewiesener Konformität – ein strukturiertes Produktaudit-Programm ist eine bewährte Methode, beide Anforderungen mit aussagekräftigen Nachweisen zu erfüllen. Die Ergebnisse fließen typischerweise auch in die Managementbewertung ein.

Wichtig ist außerdem eine klare Dokumentation jedes Produktaudits: Welches Los oder welche Charge wurde geprüft, welche Merkmale wurden kontrolliert, und wie wurde eine festgestellte Abweichung behandelt. Nur so lässt sich im Zeitverlauf erkennen, ob sich die Fehlerquote eines Produkts verbessert oder verschlechtert.

Relevanz für die Zertifizierung

Ein dokumentiertes, geplantes Produktaudit-Programm mit festgelegter Stichprobenprüfung, erfassten Abweichungen und nachverfolgten Korrekturmaßnahmen gilt bei ISO-9001-Audits als starker Beleg für einen funktionierenden Regelkreis – gerade in Kombination mit einer sichtbaren Auswertung der Fehlerkosten. Für kleinere Betriebe reicht dabei ein risikobasierter, schlanker Prüfumfang; ein aufwendiges automobiltypisches Produktaudit-System ist ohne entsprechende Kundenvorgabe meist nicht erforderlich. Wichtiger als die Menge der geprüften Produkte ist eine nachvollziehbare Auswahllogik, die kritische Merkmale gezielt abdeckt. Betriebe, die Produktaudit-Ergebnisse regelmäßig mit Reklamationsdaten abgleichen, erkennen zudem frühzeitig, ob interne Prüfungen und tatsächliche Kundenerfahrung noch zusammenpassen.

Häufige Fragen zu Produktaudit

Das Prozessaudit prüft, ob ein Ablauf – etwa die Fertigung – wie festgelegt funktioniert und die notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Das Produktaudit prüft dagegen unabhängig vom Ablauf nur das Ergebnis: ob das fertige Produkt tatsächlich alle Spezifikationen erfüllt. Beide Auditarten ergänzen sich und werden häufig kombiniert eingesetzt.

ISO 9001 schreibt keine feste Frequenz vor. Üblich ist eine risikobasierte Festlegung, etwa häufiger bei sicherheitsrelevanten oder reklamationsanfälligen Produkten und seltener bei unkritischer Ware. Viele Betriebe legen die Häufigkeit im QM-Handbuch fest, zum Beispiel je Charge, wöchentlich oder monatlich.

Der Begriff selbst kommt in der Norm nicht vor, doch Kapitel 9.1 verlangt die Überwachung und Messung von Produktmerkmalen und Kapitel 8.6 die Freigabe erst nach nachgewiesener Konformität. Ein strukturiertes Produktaudit ist eine gängige, aber nicht die einzig mögliche Methode, diese Anforderungen zu erfüllen.

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