ISO 26000: ISO 26000 ist ein internationaler Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen (Corporate Social Responsibility), der sieben Kernthemen wie Menschenrechte, Arbeitspraktiken und Umwelt behandelt, ohne Anforderungen, die zertifiziert werden können.
Ein häufiges Missverständnis vorweg: ISO 26000 ist ausdrücklich keine Managementsystemnorm und keine Zertifizierungsnorm. Sie enthält keine überprüfbaren Anforderungen wie ISO 9001 oder ISO 14001, sondern Empfehlungen und Orientierungshilfen. Ein Zertifikat „nach ISO 26000“ existiert im offiziellen Sinne nicht, entsprechende Angebote am Markt beziehen sich meist auf eine reine Selbsteinschätzung oder eine unabhängige, aber nicht normativ vorgesehene Bewertung.
Die Norm beschreibt sieben Grundsätze gesellschaftlicher Verantwortung, unter anderem Rechenschaftspflicht, Transparenz und ethisches Verhalten, sowie sieben Kernthemen:
- Organisationsführung
- Menschenrechte
- Arbeitspraktiken
- Umwelt
- Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken
- Konsumentenanliegen
- Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft
ISO 26000 richtet sich an Organisationen jeder Größe und Rechtsform, auch an Nichtregierungsorganisationen und öffentliche Einrichtungen, nicht nur an Unternehmen. Sie dient häufig als konzeptionelle Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte oder ESG-Strategien, auch wenn diese formal andere Berichtsstandards wie die CSRD nutzen.
Veröffentlicht wurde ISO 26000 im Jahr 2010 nach einem mehrjährigen, breit angelegten Konsultationsprozess mit Vertretern aus Wirtschaft, Regierungen, Arbeitnehmerorganisationen, Verbraucherverbänden und Nichtregierungsorganisationen aus über neunzig Ländern. Inhaltlich weist der Leitfaden Überschneidungen mit anderen freiwilligen Initiativen wie dem UN Global Compact auf, bleibt aber im Unterschied dazu ein reiner Orientierungsrahmen ohne Mitgliedschaftsstruktur oder Selbstverpflichtungserklärung. Eine Überarbeitung der Norm ist grundsätzlich möglich, bislang hat sich am nicht zertifizierbaren Charakter der Norm jedoch nichts Wesentliches geändert.
Relevanz für die Zertifizierung
Da ISO 26000 als Leitfaden nicht zertifizierbar ist, spielt sie im klassischen Zertifizierungsgeschäft keine direkte, unmittelbare Rolle. Unternehmen nutzen den Leitfaden aber häufig, um ihre Nachhaltigkeitsstrategie inhaltlich zu strukturieren, bevor sie zertifizierbare Managementsysteme wie ISO 14001 aufbauen oder Berichtspflichten wie die CSRD erfüllen. Wer am Markt ein „ISO-26000-Zertifikat“ angeboten bekommt, sollte kritisch nachfragen, worauf sich dieses Zertifikat tatsächlich bezieht, da es sich nicht um eine normativ vorgesehene Konformitätsbewertung handeln kann.
Häufige Fragen zu ISO 26000
Nein, offiziell nicht. ISO 26000 ist ein Leitfaden ohne überprüfbare Anforderungen und explizit keine Managementsystemnorm. Angebote am Markt, die ein „ISO-26000-Zertifikat“ bewerben, beziehen sich meist auf eine Selbsteinschätzung oder eine firmenspezifische Bewertung, nicht auf eine normativ vorgesehene, akkreditierungsfähige Zertifizierung.
ISO 26000 ist ein freiwilliger, inhaltlicher Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung ohne rechtliche Verbindlichkeit. Die CSRD ist dagegen eine EU-Richtlinie mit einer gesetzlichen Berichtspflicht für bestimmte Unternehmensgrößen, die konkrete, standardisierte Kennzahlen nach den European Sustainability Reporting Standards verlangt.
Grundsätzlich jede Organisation, die ihre Nachhaltigkeits- oder CSR-Strategie strukturieren möchte, unabhängig von Größe oder Rechtsform. Besonders hilfreich ist der Leitfaden für Unternehmen, die vor dem Aufbau eines zertifizierbaren Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 oder vor der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts eine inhaltliche Grundstruktur suchen.