Methoden/IMS

Was ist Stakeholderanalyse?

Definition

Stakeholderanalyse: Eine Stakeholderanalyse identifiziert alle Personen, Gruppen oder Organisationen, die von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind oder Einfluss darauf nehmen, und bewertet deren Erwartungen und Einfluss systematisch.

Typische Stakeholder eines Unternehmens sind Kunden, Mitarbeitende, Lieferanten, Behörden, Anwohner, Eigentümer und Kapitalgeber. Für jede Gruppe wird erfasst, welche konkreten Erwartungen sie an das Unternehmen stellt und wie relevant diese Erwartung für das Managementsystem tatsächlich ist.

StakeholderTypische Erwartung
KundenTermintreue, Qualität, Preis
MitarbeitendeSichere, faire Arbeitsbedingungen
BehördenEinhaltung gesetzlicher Vorgaben
AnwohnerLärm-, Emissions- und Verkehrsbelastung

ISO 9001 verlangt in Kapitel 4.2 ausdrücklich, interessierte Parteien und deren relevante Erfordernisse zu bestimmen – dieselbe Anforderung findet sich sinngemäß auch in ISO 14001, 45001, 27001 und 50001. Eine Stakeholderanalyse ist damit ein normübergreifendes Werkzeug, das sich in einem integrierten Managementsystem für mehrere Normen gemeinsam nutzen lässt.

Wichtig ist, die Analyse nicht einmalig zu erstellen, sondern regelmäßig zu überprüfen, da sich Erwartungen von Kunden oder Gesetzgebern im Zeitverlauf ändern.

Eine einfache Visualisierung, etwa eine Matrix aus Einfluss und Betroffenheit je Stakeholder, hilft, Prioritäten sichtbar zu machen: Stakeholder mit hohem Einfluss und hoher Betroffenheit verdienen mehr Aufmerksamkeit als solche mit geringer Relevanz für das Managementsystem. So lässt sich vermeiden, Ressourcen gleichmäßig auf alle Gruppen zu verteilen, obwohl nur wenige davon tatsächlich entscheidend sind.

Relevanz für die Zertifizierung

Im Audit wird die Stakeholderanalyse häufig gemeinsam mit dem Kontext der Organisation geprüft: Der Auditor möchte sehen, dass die identifizierten Erwartungen tatsächlich in Risiken, Zielen oder Prozessen Niederschlag finden, nicht nur in einer isolierten Liste stehen bleiben. Betriebe, die Kunden-, Mitarbeitenden- und Behördenanforderungen bereits im Tagesgeschäft im Blick haben, müssen für die Zertifizierung oft nur die vorhandene Praxis nachvollziehbar dokumentieren, statt neue Strukturen aufzubauen. Besonders bei wachsenden Unternehmen lohnt sich eine regelmäßige Erweiterung der Stakeholderanalyse: Neue Kundengruppen, zusätzliche Standorte oder veränderte Lieferketten bringen häufig neue interessierte Parteien mit eigenen Erwartungen mit sich, die im ursprünglichen Kontext der Organisation noch nicht berücksichtigt waren.

Häufige Fragen zu Stakeholderanalyse

Ja, indirekt: Kapitel 4.2 verlangt, interessierte Parteien und deren relevante Erfordernisse und Erwartungen zu bestimmen. Eine Stakeholderanalyse ist das gängige Werkzeug, um diese Anforderung nachvollziehbar zu erfüllen, wird aber nicht wortwörtlich unter diesem Namen in der Norm verlangt. Ohne diese Analyse fehlt eine zentrale Grundlage für Risiken, Ziele und Prozessgestaltung.

Typischerweise Kunden, Mitarbeitende, Lieferanten, Eigentümer, Behörden und je nach Branche auch Anwohner oder Verbände. Relevant sind Stakeholder, deren Erfordernisse tatsächlich Einfluss auf die Fähigkeit des Unternehmens haben, konforme Produkte oder Dienstleistungen zu liefern beziehungsweise gesetzliche Pflichten einzuhalten. Auch deren tatsächlicher Einfluss auf das Managementsystem sollte dabei realistisch eingeschätzt werden.

Mindestens jährlich im Rahmen der Managementbewertung, zusätzlich anlassbezogen bei neuen Kundengruppen, geänderten Gesetzen oder strukturellen Veränderungen im Unternehmen. Eine veraltete Analyse, die neue relevante Stakeholder nicht erfasst, gilt im Audit als unvollständig umgesetzte Normanforderung und sollte deshalb fester Tagesordnungspunkt der jährlichen Managementbewertung sein.

Verwandte Begriffe

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