ISO 9001/QM

Was ist Chancen und Risiken?

Definition

Chancen und Risiken: „Chancen und Risiken“ bezeichnet die Anforderung aus Kapitel 6.1 der High Level Structure (Annex SL), wonach Organisationen bei der Planung ihres Managementsystems sowohl Risiken als auch Chancen ermitteln und angemessene Maßnahmen dafür festlegen müssen.

Die Anforderung „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“ ist Teil der High Level Structure (Annex SL), der einheitlichen Grundstruktur, die seit 2015 für ISO-Managementsystemnormen gilt. Deshalb findet sich Kapitel 6.1 mit nahezu identischem Wortlaut in ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 (Umwelt), ISO 45001 (Arbeitsschutz) und ISO 27001 (Informationssicherheit) wieder, jeweils bezogen auf die norm-spezifischen Themen.

Wichtig ist die Abgrenzung zum reinen Risikomanagement: Kapitel 6.1 verlangt ausdrücklich, nicht nur Risiken (mögliche negative Abweichungen) zu betrachten, sondern gleichrangig auch Chancen zu identifizieren, etwa neue Marktchancen, Verbesserungspotenziale oder Effizienzgewinne. Die Norm schreibt dabei weder eine bestimmte Methode noch eine formale Risikobewertung mit Punktesystemen vor, ein einfaches, nachvollziehbares Vorgehen reicht aus.

Typische Quellen für die Ermittlung sind die Analyse des Unternehmenskontexts nach Kapitel 4.1 sowie die Erwartungen interessierter Parteien nach Kapitel 4.2. Aus den identifizierten Chancen und Risiken müssen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, die in die Planung des Managementsystems einfließen, etwa in die Qualitätsziele oder das interne Auditprogramm.

Eine gängige, aber nicht zwingende Umsetzung ist eine Risikomatrix mit den Achsen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß, ergänzt um eine separate Liste identifizierter Chancen.

Empfohlen wird eine regelmäßige Überprüfung der ermittelten Chancen und Risiken, etwa jährlich im Rahmen der Managementbewertung oder anlassbezogen bei wesentlichen Änderungen im Unternehmenskontext, etwa neuen Gesetzen, Marktveränderungen oder personellen Umbrüchen.

Relevanz für die Zertifizierung

Kapitel 6.1 gehört zu den Anforderungen, die im Audit häufig nur formal, aber nicht inhaltlich erfüllt werden: Viele Unternehmen führen eine Liste von Risiken, vergessen aber die geforderte gleichrangige Betrachtung von Chancen. Auditoren prüfen typischerweise, ob aus der Risiko- und Chancenbetrachtung tatsächlich konkrete, nachvollziehbare Maßnahmen abgeleitet wurden und ob diese in der Managementbewertung regelmäßig überprüft werden. Eine reine „Alibi-Liste“ ohne erkennbaren Bezug zu den tatsächlichen Unternehmenszielen gilt in der Regel als Abweichung.

Häufige Fragen zu Chancen und Risiken

Nein. Kapitel 6.1 verlangt, dass Risiken und Chancen ermittelt und angemessene Maßnahmen festgelegt werden, schreibt dafür aber keine bestimmte Methode wie eine Risikomatrix mit Punktebewertung vor. Ein einfaches, nachvollziehbares und dokumentiertes Vorgehen reicht für die Zertifizierung aus.

Weil es Teil der High Level Structure (Annex SL) ist, der seit 2015 gültigen einheitlichen Grundstruktur für ISO-Managementsystemnormen. Dadurch lassen sich ISO 9001, 14001, 45001 und 27001 leichter in einem integrierten Managementsystem kombinieren, da grundlegende Kapitelnummern und Kernanforderungen übereinstimmen.

Klassisches Risikomanagement betrachtet meist nur mögliche negative Abweichungen. Kapitel 6.1 der ISO-Normen verlangt ausdrücklich eine gleichrangige Betrachtung von Chancen, also positiven Potenzialen wie neuen Marktchancen oder Effizienzgewinnen, zusätzlich zu den Risiken, beides muss in konkrete Maßnahmen münden.

Verwandte Begriffe

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