Selbstbewertung: Die Selbstbewertung ist eine von der Organisation selbst durchgeführte, ganzheitliche Einschätzung des eigenen Reifegrads gegenüber einem Referenzmodell, etwa dem EFQM-Modell oder dem Selbstbewertungswerkzeug nach ISO 9004:2018 Anhang A, und dient vor allem der internen Standortbestimmung.
Anders als das interne Audit nach ISO 9001 Kapitel 9.2, das die Konformität mit konkreten Normanforderungen systematisch und stichprobenartig prüft, bewertet eine Selbstbewertung das Managementsystem breiter und meist auf einer groben Reifegradskala je Kriterium, häufig von 1 bis 5.
| Merkmal | Internes Audit | Selbstbewertung |
|---|---|---|
| Grundlage | ISO 9001 Kapitel 9.2, verpflichtend | Freiwilliges Modell wie EFQM oder ISO 9004 |
| Fokus | Konformität mit Normanforderungen | Ganzheitlicher Reifegrad, auch strategische Aspekte |
| Ergebnis | Feststellungen, Abweichungen | Punktzahl oder Stufenwert je Kriterium |
Das ISO-9004:2018-Selbstbewertungswerkzeug in Anhang A arbeitet mit fünf Reifegradstufen von „keine formale Vorgehensweise“ bis „beste Leistung in der Branche“, angewendet auf Kriterien wie Führung, Strategie, Ressourcen und Prozesse. Das EFQM-Modell nutzt ein ähnliches Punktesystem, bezieht aber zusätzlich Ergebniskriterien wie Kunden-, Mitarbeitenden- und Gesellschaftswahrnehmung mit ein.
In der Praxis eignet sich eine Selbstbewertung besonders vor der Entscheidung für eine Erstzertifizierung: Sie zeigt grob, wie weit ein Unternehmen von den Anforderungen einer Norm entfernt ist, ohne den formalen Aufwand eines vollständigen internen Audits. Beide Instrumente schließen sich nicht aus – viele Unternehmen nutzen eine Selbstbewertung ergänzend zum ohnehin verpflichtenden internen Audit, etwa im Abstand mehrerer Jahre als strategischen Rundumblick.
Wichtig für die Aussagekraft ist eine ehrliche statt geschönte Einschätzung: Wird die eigene Reife systematisch zu positiv eingeschätzt, entsteht ein falsches Sicherheitsgefühl, das spätestens im tatsächlichen Zertifizierungsaudit sichtbar wird. Eine Selbstbewertung gemeinsam mit mehreren Führungskräften und operativ Beteiligten liefert deshalb meist belastbarere Ergebnisse als eine Einschätzung durch eine einzelne Person.
Relevanz für die Zertifizierung
KCERT führt selbst keine Beratung durch, eine Selbstbewertung lässt sich aber unabhängig vom Zertifizierer vor dem kostenlosen Erstgespräch durchführen, um den realistischen Vorbereitungsaufwand einzuschätzen. Wichtig für Auditoren ist die klare Unterscheidung: Eine Selbstbewertung ersetzt nicht das nach ISO 9001 Kapitel 9.2 verpflichtende interne Audit. Unternehmen, die eine Selbstbewertung mit einem internen Audit verwechseln und deshalb kein systematisches internes Audit gegen die Normanforderungen durchführen, erhalten dazu im Stufe-1-Audit eine Abweichung.
Häufige Fragen zu Selbstbewertung
Das interne Audit nach ISO 9001 Kapitel 9.2 ist verpflichtend und prüft systematisch die Konformität mit konkreten Normanforderungen. Die Selbstbewertung ist freiwillig, breiter angelegt und bewertet den Reifegrad ganzheitlich anhand eines Modells wie EFQM oder ISO 9004, meist auf einer groben Punkt- oder Stufenskala je Kriterium.
Nein, sie ist ein freiwilliges Zusatzwerkzeug. Verpflichtend ist stattdessen das interne Audit nach Kapitel 9.2. Eine Selbstbewertung ersetzt dieses nicht, kann aber ergänzend zur strategischen Standortbestimmung genutzt werden, etwa vor einer Erstzertifizierung oder in größeren Zeitabständen als Ergänzung zum laufenden Auditprogramm.
Eine feste Frist gibt es nicht, da sie kein Normerfordernis ist. Üblich ist eine Selbstbewertung vor der Entscheidung für eine Erstzertifizierung sowie danach in mehrjährigen Abständen, etwa alle zwei bis drei Jahre, um die strategische Weiterentwicklung des Managementsystems über die reine Normkonformität hinaus einzuschätzen.