AQL: AQL (Acceptable Quality Level) ist der in ISO 2859-1 festgelegte statistische Grenzwert, der angibt, wie viele fehlerhafte Einheiten je 100 Stück in einer Stichprobe noch als akzeptabel gelten.
Statt jede einzelne Einheit eines Wareneingangs oder einer Produktionscharge zu prüfen, wird bei der AQL-basierten Stichprobenprüfung nur ein statistisch festgelegter Anteil kontrolliert. Die Stichprobengröße richtet sich nach dem Gesamtumfang des Loses und dem gewählten Prüfniveau; überschreitet die Anzahl gefundener Fehler den für den jeweiligen AQL-Wert festgelegten Annahmegrenzwert, wird das gesamte Los abgelehnt.
Übliche AQL-Werte liegen je nach Fehlerart zwischen 0,065 (kritische Fehler, etwa Sicherheitsmängel) und 4,0 (kosmetische Nebenfehler ohne Funktionsrelevanz) – je niedriger der Wert, desto strenger die zulässige Fehlerquote und desto größer in der Regel die erforderliche Stichprobe. Die konkreten Stichprobenpläne und zugehörigen Annahme- und Ablehnungszahlen liefert die Tabelle der ISO 2859-1 beziehungsweise ihres Vorgängers MIL-STD-105E.
AQL ersetzt keine Vollprüfung bei sicherheitskritischen Produkten, reduziert aber bei unkritischen Serienprodukten den Prüfaufwand erheblich, ohne die statistische Aussagekraft der Qualitätskontrolle wesentlich zu verlieren. In der Praxis kommt AQL vor allem in der Wareneingangskontrolle bei Zulieferteilen und in der Endkontrolle vor Auslieferung zum Einsatz.
- AQL = zulässige Fehlerquote je 100 Einheiten nach ISO 2859-1
- Typische Werte: 0,065 (kritisch) bis 4,0 (kosmetisch)
- Stichprobengröße abhängig von Losumfang und Prüfniveau
- Kein Ersatz für Vollprüfung bei sicherheitskritischen Produkten
Relevanz für die Zertifizierung
Für eine ISO-9001-Zertifizierung ist AQL kein eigenes Normkapitel, taucht aber häufig als Nachweis im Rahmen von Kapitel 8.6 ("Freigabe von Produkten und Dienstleistungen") auf: Der Auditor prüft, ob Wareneingangs- und Endkontrolle nach einem dokumentierten, nachvollziehbaren Prüfplan erfolgen – ein anerkannter AQL-Stichprobenplan ist dafür ein gängiger und leicht auditierbarer Nachweis. Unternehmen, die stattdessen willkürlich oder undokumentiert einzelne Stichproben ziehen, ohne einen festgelegten AQL-Wert und eine nachvollziehbare Losgröße zu benennen, geraten hier häufiger in Erklärungsnot. Wer bereits mit Zulieferern oder Kunden aus der Automobil- oder Elektronikbranche arbeitet, hat AQL-Anforderungen meist ohnehin vertraglich vorgegeben.
Häufige Fragen zu AQL
Nein, ISO 9001 schreibt keine bestimmte Prüfmethode vor, sondern verlangt in Kapitel 8.6 nur einen dokumentierten Nachweis, dass Produkte vor Freigabe angemessen geprüft wurden. AQL nach ISO 2859-1 ist dafür ein anerkanntes, weit verbreitetes Verfahren, aber kein zwingender Normbestandteil. Unternehmen können auch andere dokumentierte Prüfverfahren verwenden, solange sie nachvollziehbar sind.
Das hängt von der Fehlerart ab. Für kritische, sicherheitsrelevante Fehler sind sehr strenge Werte wie 0,065 oder 0,1 üblich, für schwerwiegende Funktionsfehler oft 1,0, für rein kosmetische Nebenfehler häufig 2,5 bis 4,0. Der konkrete Wert wird meist vertraglich zwischen Lieferant und Abnehmer festgelegt oder branchenüblich übernommen.
Überschreitet die Anzahl gefundener Fehler den für den gewählten AQL-Wert und die Stichprobengröße festgelegten Annahmegrenzwert, gilt das gesamte geprüfte Los als abgelehnt. Es wird dann üblicherweise vollständig nachsortiert, zurückgewiesen oder einer erneuten, oft strengeren Prüfung unterzogen, bevor eine Freigabe erfolgen kann.