ISO 50001/Energie

Was ist Power Purchase Agreement (PPA)?

Definition

Power Purchase Agreement (PPA): Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger bilateraler Stromabnahmevertrag, meist über mehrere Jahre, in dem ein Unternehmen direkt bei einem Erzeuger Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Photovoltaik zu vorab vereinbarten Konditionen bezieht.

Anders als beim klassischen Strombezug über den Energieversorger vereinbaren die Vertragsparteien bei einem PPA direkt Menge, Preis und Laufzeit der Stromlieferung, häufig über zehn bis fünfzehn Jahre. Man unterscheidet vor allem zwei Grundformen:

  • Physisches PPA: Der Strom wird tatsächlich physisch geliefert, meist über das öffentliche Netz mit entsprechender Bilanzierung
  • Virtuelles PPA: Es findet kein physischer Stromfluss zwischen den Parteien statt, stattdessen wird die Preisdifferenz zwischen vereinbartem und Marktpreis finanziell ausgeglichen

Für Unternehmen bietet ein PPA vor allem Preisplanungssicherheit über einen langen Zeitraum sowie einen belastbaren Nachweis für den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien, der sich in der Klimabilanz und in Nachhaltigkeitsberichten anrechnen lässt. Für Erzeuger wiederum schafft ein PPA Planungssicherheit für Investitionen in neue Wind- oder Solaranlagen, da ein Teil der erzeugten Energie bereits langfristig verkauft ist.

ISO 50001:2018 behandelt die Energiebeschaffung in Kapitel 6.3 als eigenen Planungsschritt: Unternehmen sollen bei der Beschaffung von Energie Kriterien zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung berücksichtigen. Ein PPA für erneuerbaren Strom kann ein Baustein sein, um diese Anforderung zu erfüllen, ist aber keine explizite Normvorgabe.

Vor Vertragsabschluss lohnt sich ein genauer Blick auf Laufzeit, Preisanpassungsklauseln und die Bonität des Vertragspartners, da PPAs anders als der übliche Strombezug über den Versorger langfristig binden und im Fall einer Insolvenz des Erzeugers zusätzliche Risiken bergen können.

Relevanz für die Zertifizierung

Für Unternehmen mit Energiemanagementsystem nach ISO 50001 ist ein PPA vor allem im Kontext der Energiebeschaffung nach Kapitel 6.3 sowie der eigenen Klimaneutralitätsstrategie relevant: Wer den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch dokumentieren will, braucht belastbare Nachweise über Herkunft und Menge des bezogenen Ökostroms. Ein PPA liefert diesen Nachweis in Form eines konkreten, langfristigen Vertrags und kann so Teil der Argumentation gegenüber Kunden oder in Nachhaltigkeitsberichten sein.

Häufige Fragen zu Power Purchase Agreement (PPA)

Bei einem physischen PPA wird der vereinbarte Strom tatsächlich geliefert und ins Netz eingespeist. Bei einem virtuellen PPA fließt kein physischer Strom zwischen den Parteien, stattdessen wird nur die Differenz zwischen vereinbartem Preis und aktuellem Marktpreis finanziell ausgeglichen.

Direkte PPAs mit einem Erzeuger richten sich meist an Unternehmen mit größerem, planbarem Strombedarf, da die Vertragsvolumen entsprechend hoch sind. Kleinere Unternehmen können jedoch über Bündelungsmodelle, Energieversorger als Zwischenhändler oder gemeinschaftliche Beschaffungsmodelle ebenfalls von PPA-Strukturen und deren Preisplanungssicherheit profitieren.

Nein. ISO 50001:2018 Kapitel 6.3 verlangt, dass die Energiebeschaffung bei der Verbesserung der energiebezogenen Leistung berücksichtigt wird, schreibt aber kein konkretes Beschaffungsmodell vor. Ein PPA ist eine mögliche, aber keine zwingende Option unter mehreren denkbaren Beschaffungsstrategien für Unternehmen.

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